Stadtpfarrkirche
Die heutige katholische Stadtpfarrkirche St. Sebastian hat ihren Ursprung in einem Blutwunder, das sich am Sebastianstag, dem 20. Januar 1467 an dieser Stelle ereignet haben soll.

Am 12. März 2012 schrieb der Generalvikar der Diözese Augsburg zur Errichtung der Pfarreiengemeinschaft Oettingen i. Bay.: “Wir bringen hiermit zur Kenntnis, dass im Zuge der – aufgrund des herrschenden Priestermangels – notwendigen Neustrukturierung mit Wirkung zum 1. September 2012 die Pfarreiengemeinschaft Oettingen als Seelsorgeeinheit errichtet wird. Zu dieser Pfarreiengemeinschaft gehören neben der Stadtpfarrei St. Sebastian in Oettingen die Pfarreien Mariä Himmelfahrt Hirschbrunn, St. Ulrich und Stephan in Ehingen und St. Michael in Belzheim.”
Ergänzend dazu äußerte sich Diözesanbischof Dr. Konrad Zdarsa in seinem Hirtenwort zur österlichen Bußzeit 2012: “Die Zukunft der Kirche unseres Bistums stellt uns immer wieder vor neue Herausforderungen. Schon in der Vergangenheit haben viele der Verantwortlichen für das kirchliche Leben, Hauptamtliche und Ehrenamtliche, eingehend darüber nachgedacht und sich auf vielfältige Weise tatkräftig für den Fortgang des kirchlichen Lebens eingesetzt. Für allen diesen Einsatz an Zeit, Kraft und Mühen, aber auch für ihre Begeisterung möchte ich ihnen ein herzliches Dankeschön und Vergelt’s Gott zurufen. Aber jeder von uns weiß, dass die Herausforderungen, die an uns gestellt sind, keineswegs geringer geworden sind.
Ja, es gibt dafür Anzeichen in Kirche und Gesellschaft, die uns veranlassen, uns erst recht auf die Wurzeln und die Kraft unseres katholischen Glaubens zu besinnen. Es wird notwendig sein, Vertrautes und Gewohntes mutig zu überdenken, die Kräfte zu bündeln, Strukturen zu vereinfachen und neue Wege zu beschreiten. Dazu möchte ich alle herzlich einladen. Jeden Sonntag begehen wir das österliche Geheimnis von Tod und Auferstehung unseres Herrn. Deswegen soll auch künftig wie bisher in jeder Pfarrei bzw. Pfarreiengemeinschaft ein zentraler Eucharistieort festgelegt werden. Dort wird an jedem Sonn- und Feiertag zu gleichbleibender Zeit die Hl. Messe gefeiert. Das ist die vom Kirchenrecht festgelegte und für den Pfarrer verpflichtende Messfeier für die Pfarrgemeinde.
Mittel- bzw. langfristig sollen mehrere kleine Seelsorgeeinheiten (Pfarreien) zu einer großen Einheit (Pfarreiengemeinschaft) zusammenwachsen. Wann der geeignete Zeitpunkt für eine Fusion gekommen ist, bestimmen die Beteiligten selbst. Dabei müssen die oft jahrhundertealten Traditionen und Besonderheiten der früheren Pfarreien keineswegs aufgegeben werden. Sie gewinnen vielmehr damit eine noch größere Bedeutung und Verbindlichkeit für die gesamte Seelsorgeeinheit. Das bedeutet womöglich sogar noch eine Herausforderung für die Pflege solcher Traditionen. Unter Umständen müssen sie nämlich in einem noch viel größeren Maße als gewohnt in den Dienst der Verkündigung des Evangeliums und der Verlebendigung des katholischen Glaubens gestellt werden.
Stadtpfarrkirche
Die heutige katholische Stadtpfarrkirche St. Sebastian hat ihren Ursprung in einem Blutwunder, das sich am Sebastianstag, dem 20. Januar 1467 an dieser Stelle ereignet haben soll. Graf Ulrich, dessen Statue an der Turmfassade über dem Hauptportal angebracht ist, ließ eine Kapelle erbauen, die bald zu einer Kirche vergrößert wurde. Zeitweise existierte hier eine beachtliche Wallfahrt. St. Sebastian gilt als Schutzheiliger gegen die Pest und ist der Schutzpatron des Rieses. Bis heute bringen die Wemdinger, begründet in einem Gelübde aus dem Jahr 1647, in einer großen Prozession alle 20 Jahre eine Pestkerze nach Oettingen, zuletzt 2012. Sie ist neben dem Pestbild von 1490 rechts neben dem Chor zu sehen. In der Krypta befindet sich neben einem gotischen Geißelheiland, einer Schmerzensmutter und einer barocken Sebastiansfigur eine Sebastiansreliquie. Die Kirche selbst wurde in Folge der konfessionellen Aufteilung der Stadt 1563 zur katholischen Pfarrkirche. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Kirchenschiff wegen Baufälligkeit abgerissen und zwischen dem gotischen Hochchor und dem gotischen Kirchturm neu eingefügt. Die neugotische Innenausstattung von 1850 wurde bei der Renovierung 1959-1963 entfernt. Im Zuge der Liturgiereform schuf Prof. Elmar Hillebrand aus Köln zwischen 1960 und 1978 einen zentralen Volksaltar, Kanzel, Tabernakelsäule, Ambo, Taufstein, Osterkerzenleuchter, Chorbogenkreuz und Chorgestühl. Einige heute aufgestellte Figuren im Kirchenschiff, Anna Selbdritt, Hl. Sippe und die Pietá, stammen aus der St.-Anna-Kapelle an der Wörnitz. Die vier Evangelisten im Altarraum, das Missonskreuz, Muttergottes mit Kind und Heiliger Josef sowie die Heiligenfiguren Franz Xaver und Aloisius von Gonzaga links und rechts neben der Steinmeyer-Orgel gehören zum neugotischen Altarbestand.
Chronologie der Stadtpfarrkirche St. Sebastian in Oettingen i. Bay.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1469 | Aufgrund eines Wunderberichtes am Sebastianstag beginnt Graf Ulrich zu Oettingen mit dem Bau der Sebastianskirche als Wallfahrtskirche. |
| 1471 | Der gotische Kirchturm wird fertiggestellt und erhält 15 Jahre später ein spitzes Turmdach. Der Turm ist unverändert erhalten. |
| 1480 | Über dem Turmportal wird ein monumentales Holztafelbild angebracht, das Maria und Sebastian als Schutzmantelfiguren zeigt. |
| 1542 | Im Zuge der Reformation wird die bisherige Wallfahrtskirche St. Sebastian zur Pfarrkirche für den katholischen Teil der Bevölkerung. |
| 1566 | Im Turm werden drei neue Glocken aus einer Nürnberger Glockengießerei aufgehängt, die bis heute erhalten sind. |
| 1644 | Der Jesuitenorden übernimmt die Seelsorge und Wallfahrtsbetreuung an St. Sebastian und wirkt über 130 Jahre in Oettingen. |
| 1663 | Der Kirchenbau wird auf der Ostseite durch den bis heute erhaltenen Hochchor und die darunter liegende Krypta erweitert. |
| 1680 | Das Innere der Kirche wird mit Stuckgewölbe und Altären im Stil des Barock ausgestattet. |
| 1841 | Das Kirchenschiff ist so baufällig, dass es innen und außen mit Balken abgestützt werden muss. |
| 1849 | Das Langhaus zwischen Chor und Turm wird abgebrochen, die barocke Ausstattung und Votivgaben der Wallfahrer werden versteigert. |
| 1850 | Das neue Kirchenschiff wird nach den Plänen des Münchener Architekten Anton von Braunmühl (1820–1858) fertiggestellt. |
| 1851 | Altäre und Kanzel aus der Werkstatt des Münchener Bildhauers Johann Nepomuk Petz (1818–1880) werden eingeweiht. |
| 1882 | Der Münchener Architekt und Holzbildhauer Josef Anton Müller (1839–1910) beginnt mit Umbau und Erweiterung des Altarensembles. |
| 1892 | Die Neugestaltung von Altären, Kanzel, Emporen, Holzdecke, Glasfenstern und Raumschale im Stil der Neugotik ist vollendet. |
| 1960 | Alle neugotischen Ausstattungsteile werden entfernt und der Altarraum durch Prof. Elmar Hillebrand aus Köln neu gestaltet. |
Heiliger Sebastian
Das Oettinger Sebastians-Pestbild von 1490 ist das wertvollste Kunstwerk der Stadtpfarrkirche. Es vereint die Darstellungen einer Schutzmantelmadonna (links) und eines selten so dargestellten Schutzmantel-Sebastian (rechts) unter der Glorie von Gottvater. Die Pestpfeile, die er mit seinem Bogen abschießt, werden auf die Fürsprache des Pestheiligen St. Sebastian und der Muttergottes abgebrochen. In der unteren Hälfte des Bildes fallen alle gesellschaftlichen Stände mit ihren charakteristischen zeitgenössischen Trachten der Pest zum Opfer: Bürgersfrau, Graf, Papst, Bischof, Mönch, Kaiser, Ritter, Bürger und Hofnarr – vor Gott sind im Tode alle gleich. Wer jedoch unter dem Schutzmantel seine Zuflucht genommen hat, bleibt verschont. Bei Maria finden die Geistlichen Schutz, bei Sebastian die Familien. Die ungewöhnliche Form des auf Holz gemalten Pestbilds erklärt sich daraus, dass es zu seiner Entstehungszeit über dem Torbogen beim Ausgang zum Hauptportal Platz gefunden hatte.
Sebastian war ein junger Offizier der kaiserlichen Leibgarde in Rom. Er bekannte sich öffentlich zum Christentum. Als Kaiser Diokletian erfuhr, dass der von ihm geschätzte Soldat ein Christ war, ließ er ihn verhaften, an eine Säule binden und von Bogenschützen erschießen. Im Glaube Sebastian sei tot, ließ man ihn liegen. Er war jedoch nicht tot. Die fromme Witwe Irene (Gedenktag 21.02.) fand ihn und pflegte ihn wieder gesund. Nach seiner Genesung kehrte Sebastian zu Diokletian zurück und bekannte sich erneut zum Christentum. Der Kaiser befahl daraufhin, ihn mit Keulen im Circus zu erschlagen. Seinen Leichnam warf man daraufhin in die Cloaca Maxima, einen städtischen Abflussgraben in der Nähe des Tiber, woraus er von Christen geborgen und “ad catacumbas” (deutsch: “in der Senke”) beerdigt wurde. Der Heilige Sebastian ist der Schutzpatron der Sterbenden, gegen die Pest, Schutzheiliger der Eisenhändler, Töpfer, Zinngießer, Gerber, Soldaten, Kriegsinvaliden und außerdem der des Rieses. Sein kirchlicher Gedenktag ist der 20. Januar.
Im „Andachtsbüchlein zur Verehrung des hl. Sebastian“ aus dem Jahr 1934 werden die Anfänge unserer Pfarrkirche sehr anschaulich beschrieben: „Auf dem Platze, wo heute das Schiff der Stadtpfarrkirche mit dem Turme sich erhebt, stand bis zum Jahre 1467 das Haus eines Schuhmachers. Der machte nun seiner Familie den Vorschlag, am Fest des hl. Sebastian einen Fasttag zu halten, damit Gott auf die Fürbitte des heiligen Blutzeugen ihn und seine Familie in allen vorfallenden Krankheiten und Seuchen bewahren möge. Frau und Kinder waren damit einverstanden, nur eine Tochter wollte sich zum Fasten nicht verstehen und schnitt deswegen von einem Laib Brot ein Stück ab, aus welchem dann Blut floss. Als das Wunder im Hause des Schuhmachers dem Grafen Ulrich zu Oettingen hinterbracht wurde, erwarb er das Haus, das vorerst nur zu Privatandachten verwendet wurde. Der Umbau des Hauses zu einer Kapelle zu Ehren des hl. Sebastian begann im Jahre 1469. Darüber unterrichtet uns die Inschrift unter der Nische des südöstlichen äußeren Schiffabschlusses gegenüber dem heutigen Gruftgarten, welche lautet: „Anno Domini 1469 am Sebastianstag hat der Wohlgeborene Herr Ulrich, Graf zu Oettingen, Stifter, Gott zu Ehren dies Gotteshaus angefangen zu bauen in der Ehre des Heiligen Himmelsfürsten St. Sebastian.“
Neugotische Altäre
Um die Neugestaltung des Kirchenraumes der Pfarrkirche St. Sebastian zu ermöglichen, wurden im Jahr 1961 die neugotischen Altäre zerlegt und anschließend auf den Kirchendachboden verbracht. Nachdem vor Ostern 2011 der Dachboden entrümpelt und aufgeräumt worden ist, bestand die Möglichkeit, die Einzelteile der neugotischen Altäre zu sichten.
Alle Teile wurden sortiert und zunächst provisorisch zugeordnet. Das Ergebnis überraschte: Hochaltar, Sebastiansaltar, Josefsaltar und Kanzel sind weitgehend noch vorhanden und ohne Holzwurmbefall. Danach wurden die Teile soweit zusammengefügt, dass ein guter Eindruck von der früheren Pracht und überdurchschnittlich hohen Qualität der alten Altäre entstand. Im Zusammenhang mit der Kirchenverwaltungswahl am 18.11.2012 konnten alle Gemeindemitglieder darüber abstimmen, ob das historische Altarensemble bei der Kirchenrenovierung im Jahr 2014 wieder in den Kirchenraum zurückkehren soll. Das Abstimmungsergebnis brachte eine absolute Mehrheit von 57 % für die Wiederherstellung der Altäre.
Den ursprünglichen Hochaltar und die beiden Seitenaltäre mit ihren Figuren sowie Kanzel und Taufstein der Oettinger Pfarrkirche, von denen leider nichts mehr erhalten ist, hat der Bildhauer Johann Nepomuk Petz (1818-1880) im Jahr 1851 vollendet. Johann Nepomuk Petz war ein in München wirkender österreichischer Bildhauer. Er wurde als Sohn eines Grenzaufsehers am 16. Mai 1818 in Lermoos geboren. Nach seiner Bildschnitzerlehre bei Augustin Scharmer in Wildermieming begab er sich nach München, wo er Schüler des Bildhauers Konrad Eberhard wurde und unter den künstlerischen Einfluss der Bildhauer Joseph Otto Entres und Joseph Knabl geriet. Am 13. Oktober 1837 immatrikulierte er sich an der Königlichen Kunstakademie für das Fach Bildhauerei. Nach einer weiteren Tätigkeit im Atelier von Konrad Eberhard machte er sich in München mit einer Bildhauerwerkstatt selbständig. Johann Petz war überwiegend für kirchliche Auftraggeber in Altbayern und Bayerisch Schwaben sowie im österreichischen Mühlviertel tätig. Daneben schuf er mehrere Grabdenkmäler, unter anderem für die Familie Görres sowie den Münchner Theologen Heinrich Klee. Seine Werke, die er der Zeit entsprechend im Stil des Historismus schuf, sind teilweise nicht mehr erhalten.
Der Münchener Architekt Josef Anton Müller, der das Werk seines Lehrers Johann Nepomuk Petz in Oettingen fortgeführt und vollendet hat, wurde am 21. Oktober 1839 in Obergünzburg im Allgäu geboren. Sein Vater Josef Anton Müller (1810-1854) war von Beruf Orgelmacher und hat wegen seines frühen Todes mit 44 Jahren die enorme Karriere seines ältesten Sohnes als Bildhauer und Altarbauer nicht mehr miterlebt. Seine Mutter Hildegard, geborene Ramminger (1798-1876), hat außer Josef Anton noch den Kindern Xaver, Johann Baptist und Hildegard das Leben geschenkt. Josef Anton kam zu einem Schreinermeister in die Lehre, der gerade einen neugotischen Altar nach Hirschzell bei Kaufbeuren auszuführen hatte. Da aber nach dessen Vollendung keine kirchliche Arbeit mehr in Aussicht stand, wanderte Müller 1858 nach München und kam zu Bildhauer Sickinger, der gerade die Kanzel für die Münchener Frauenkirche in Arbeit hatte. Schon im ersten Jahr errang er in der Modellierschule unter 132 Schülern den vierten Preis. Er kam dann zu Architekt Georg Schneider als Bildhauer und dann zu Bildhauer Johann Nepomuk Petz als Architekturzeichner. 1866 machte er sich selbstständig und erhielt kleinere Aufträge, Bildhauerarbeiten und Altarzeichnungen. Bald kamen größere Aufgaben für Kirchenrestaurationen und Kirchenbauten. 1874 richtete er Werkstätten für mehrere Gehilfen, Architekturzeichner, Bildhauer, Schreiner und Vergolder ein. 1880 erhielt Müller den Auftrag, für den Grafen Quadt auf Schloss Moos bei Lindau eine neugotische Kirche nach eigenen Plänen zu bauen und einzurichten. Dann entstanden Pläne für die neue große Pfarrkirche in Fridolfing, für den Umbau des Schlosses in Dachau in eine Pfarrkirche, ferner für Vergrößerungen der Pfarrkirchen Odelzhausen, Germering, Pöttmess, Stotzard, für die Restaurierung des Churer Doms und für viele weitere Kirchen und Kapellen. Kirchenrestaurationen und ganze Einrichtungen erfolgten für Ebertshausen, Ranolsberg, Diepolz, Ingenried, Obergünzburg, Bergkirch, Engelsberg, Utzwingen, Maihingen, Birkhausen, Ursberg (Anstaltskirche), Krumbad, Feldkirch in Vorarlberg (Institutskirche), Schlosskirche in Kreuth und noch mehrere andere in allen Stilarten. Die Zahl der nach eigenen Plänen und im eigenen Atelier ausgeführten Altäre beträgt über zweihundert und zwar nicht nur für Bayern, sondern auch nach Vorarlberg, Tirol, Schweiz, Schlesien und Amerika. Für München fertigte Müller den Altar in der Hauskapelle im Georgianum, den Sakramentsaltar in der Ludwigskirche, den St. Josephsaltar in Giesing, den Hochaltar und Franziskusaltar in der St. Antoniuskirche, den Hochaltar in der Markuskirche und die großen Heiligen Gräber für St. Bonifaz und die Paulskirche. [Quelle: Festgabe des Vereins für Christliche Kunst (1910) 163-164]
Seit 1880 fertigte Josef Anton Müller für den Oettinger Stadtpfarrer Karl Lämmermayer zahlreiche Entwürfe für eine Neugestaltung der Stadtpfarrkirche St. Sebastian in Oettingen an. Es sind handcolorierte Entwürfe zur Ausmalung der gesamten Raumschale mit Kirchendecke und Chorraumgewölbe (1881), zum kompletten Neubau des Josefsaltars und der Kanzel (1882), zur Neugestaltung der Seitenportale (1882), der Kreuzwegstationen (1886) und der Emporenbrüstungen (1893). Fotoaufnahmen aus dem Jahr 1915 im Oettinger Stadtarchiv beweisen, dass alle Entwürfe Müllers realisiert worden sind und dass von den ursprünglichen Altären aus dem Jahr 1851, wenn überhaupt, so höchstens wenige Gehäuseteile oder Figuren des Johann Nepomuk Petz übernommen worden sind. Entwurf und Ausführung des Sebastiansaltars mit integriertem Pestbild und gotischem Kruzifix sind in ihrem Aufbau und ihren Maßen mit dem Josefsaltar identisch und können Josef Anton Müller zugerechnet werden. Einzig der Hochaltar mit seiner wuchtigen Predella und seinem hochgezogenen Mittelturm wirft die Frage auf, ob Müller hier nicht Altarteile von 1851 verwendet hat, sodass die Gehäusetürme, die vier Evangelisten und die Zentralfigur der Muttergottes mit Kind zum Bestand von 1851 gehört haben und lediglich neu gruppiert und mit reicherem Gesprenge versehen sein könnten.
Krypta
Während das Kirchenschiff von St. Sebastian zwischen 1847 und 1851 im neugotischen Stil erneuert worden ist, gehen die Grundmauern des Turms und des Chorraums in das Jahr 1471 zurück. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) wurde dem damaligen Kirchenschiff eine bis heute erhaltene Unterkirche mit Hochchor angefügt. Links und rechts von den Chorstufen gelangt man in die Krypta mit ihrem beeindruckenden gotischen Kreuzgewölbe. Der Altarraum der Krypta wurde 1962 nach Entwürfen des Architekten Alexander Freiherr von Branca durch den Steinbildhauer Hans Kreuz aus Herrsching am Ammersee ausgestaltet. Altar, Sebastianssäule, eine Konsole für den aus dem 14. Jahrhundert stammenden „Heiland in der Ruh“ und ein Sockel für die schmerzhafte Muttergottes in der linken Seitennische sind aus Muschelkalk-Kernstein gearbeitet.
Die Sebastianssäule rechts neben dem Altar trägt nicht nur eine Sebastiansfigur von 1762. Sie birgt auch eine wertvolle Reliquienmonstranz aus dem Jahr 1655 mit einer Armreliquie des heiligen Sebastian. Die Inschrift auf dem Fuß der Monstranz lautet: „Sacra Reliquia Ossis S. Sebastiani Martyr. Patroni Rhetiae Ex Dono Eminentissimi Cardinalis et Episcopi Ratisbon. D. D. Wilhelmi Francisci Comilis a Warttenberg 1655.” In deutscher Übersetzung heißt es: „Heilige Knochenreliquie des heiligen Märtyrers Sebastian, des Patrons des Rieses, Geschenk Seiner Eminenz des Kardinals und Bischofs von Regensburg, des Hochwürdigen Herrn Reichsgrafen Franz Wilhelm von Wartenberg 1655.“ Franz Wilhelm Reichsgraf von Wartenberg (1593 – 1661) war ein Kardinal aus einer Seitenlinie des Fürstenhauses Wittelsbach. Er zählt zu den bedeutendsten Fürstbischöfen von Osnabrück und Regensburg. Aufgrund seiner Verwandtschaft mit dem gräflichen Haus Oettingen-Spielberg kam die Reliquie nach Oettingen. Graf Franz Albrecht zu Oettingen-Spielberg übergab sie 1684 der Pfarrkirche aus besonderer Verehrung für den heiligen Sebastian.
Steinmeyer-Orgel
Jeden Sonntag erklingt in unserer Stadtpfarrkirche die schöne und wertvolle Steinmeyer-Orgel aus dem Jahr 1914. Wir verdanken ihre Entstehung dem damaligen Stadtpfarrer Karl Preinfalk (1866-1941), der von seinen 51 Priesterjahren nicht nur 21 Jahre in Oettingen verbracht hat, sondern auch über 10 Jahre als Chorregent, Komponist und Organist an der Stadtpfarrkirche von Günzburg gewirkt hat. Von 1909 bis 1930 war er Stadtpfarrer in Oettingen. Gleich nach seinem Amtsantritt in Oettingen widmete er sich mit Begeisterung dem Projekt des Orgelneubaus. Er erarbeitete eine für die damalige Zeit beachtliche Disposition mit 23 Registern. 1914 wurde die Orgel als Opus 1198 von der Orgelbauwerkstätte Georg Friedrich Steinmeyer in Oettingen i. Bay. vollendet. Das Pfeifenwerk steht auf pneumatischen Taschenladen. Die Orgel wurde im Jahr 2008 restauriert und ist im Originalzustand erhalten.
Die Sebastianssäule rechts neben dem Altar trägt nicht nur eine Sebastiansfigur von 1762. Sie birgt auch eine wertvolle Reliquienmonstranz aus dem Jahr 1655 mit einer Armreliquie des heiligen Sebastian. Die Inschrift auf dem Fuß der Monstranz lautet: „Sacra Reliquia Ossis S. Sebastiani Martyr. Patroni Rhetiae Ex Dono Eminentissimi Cardinalis et Episcopi Ratisbon. D. D. Wilhelmi Francisci Comilis a Warttenberg 1655.” In deutscher Übersetzung heißt es: „Heilige Knochenreliquie des heiligen Märtyrers Sebastian, des Patrons des Rieses, Geschenk Seiner Eminenz des Kardinals und Bischofs von Regensburg, des Hochwürdigen Herrn Reichsgrafen Franz Wilhelm von Wartenberg 1655.“ Franz Wilhelm Reichsgraf von Wartenberg (1593 – 1661) war ein Kardinal aus einer Seitenlinie des Fürstenhauses Wittelsbach. Er zählt zu den bedeutendsten Fürstbischöfen von Osnabrück und Regensburg. Aufgrund seiner Verwandtschaft mit dem gräflichen Haus Oettingen-Spielberg kam die Reliquie nach Oettingen. Graf Franz Albrecht zu Oettingen-Spielberg übergab sie 1684 der Pfarrkirche aus besonderer Verehrung für den heiligen Sebastian.
| I. Manual Hauptwerk (C – a’’’) |
II. Manual Schwellwerk (C – a’’’) |
Pedal (C – f’) |
Spielhilfen |
|---|---|---|---|
| Bordun 16’ | Geigen-Prinzipal 8’ | Violon 16’ | Tutti – I/Pedal – II/Pedal |
| Prinzipal 8’ | Salicional 8’ | Subbass 16’ | Manualkoppel II/I |
| Viola di Gamba 8’ | Vox Coelestis 8’ | Bordunbass 16’ | Sub- und Superoktavkoppel II |
| Wienerflöte 8’ | Lieblich-Gedeckt 8’ | Oktavbass 8’ | Sub- und Superoktavkoppel II/I |
| Gedeckt 8’ | Orchester-Flöte 8’ | Basson 16’ | Freie Kombination – Piano-Pedal |
| Flöte 4’ | Fugara 4’ | ||
| Oktav 4’ | Sesquialter 2 2/3’ | ||
| Oktav 2’ | Oboe 8’ | ||
| Mixtur 2’ | Tremulant | ||
| Trompete 8’ |
Kirchenglocken
In der Festschrift „450 Jahre St. Sebastian in Oettingen“ schrieb Siegfried Fritscher im Oktober 1992: „Wir betreten die einschiffige Kirche durch den Turm, wo in alter Zeit an den herabhängenden Seilen die Glocken, fünf an der Zahl, geläutet wurden.“ Der Kirchturm gehört zusammen mit den Grundmauern des Chors zum ältesten Bestand unserer Pfarrkirche, von der es in der Inschrift auf der Südseite heißt: „Anno Domini 1467 am Sebastianstag hat der Hochgeborene Herr Ulrich, Graf zu Oettingen, Stifter, Gott zu Ehren dies Gotteshaus angefangen zu bauen in der Ehre des Heiligen Himmelsfürsten St. Sebastian.“ – Das heutige Geläut im gotischen Turm der Stadtpfarrkirche deutet auf eine wechselvolle Geschichte von über 500 Jahren hin. Sicher gehören die größten drei Glocken aus dem Jahr 1566 zusammen. Dafür spricht, dass sie alle drei die gleich lautende Inschrift tragen:
Das Motiv der drei Töne „ges – g – c“ ist äußerst ungewöhnlich, weil es keinen üblichen Dur- oder Molldreiklang ergibt. Deshalb wurde das Geläut im Jahr 2010 durch zwei weitere Glocken ergänzt (siehe weiter unten).
Die größte Glocke in „ges“ weist vier Halbreliefs auf. Man erkennt den Gekreuzigten mit Maria und Johannes, St. Martin mit Bettler und Petrus mit den Himmelsschlüsseln, Adam und Eva unter dem Paradiesbaum sowie zwei Heilige, Kaiser Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde mit Zeptern und einem Modell des Bamberger Doms. Heinrich und Kunigunde sind die Bistumspatrone von Bamberg und haben einen Bezug zum Glockengießer aus Nürnberg, das schon damals zum Erzbistum Bamberg gehörte.
Während die größte Glocke jedes Geläutes den Namen „Gloriosa“ trägt, wird die zweite Glocke mit dem Ton „g“ nach ihrer Funktion im Gebetsleben benannt. Es ist die Angelusglocke, die dreimal täglich zum Gebet vom „Engel des Herrn“ aufgerufen hat.
Der dritten Glocke mit dem Ton „c“ verdanken wir außer der oben genannten Inschrift die deutlich lesbar eingegossene Jahreszahl 1566. Weil sie die kleinste Glocke des ursprünglich dreistimmigen Geläuts ist, trägt sie den Namen „Taufglocke“. Das Jahr 1566 fällt in die Zeit des Grafen Friedrich V. zu Oettingen-Wallerstein (1516-1579) und erinnert an die Verträge von 1542 und 1563, durch die St. Sebastian endgültig zur katholischen Pfarrkirche Oettingens geworden ist.
Eine weitere Glocke mit dem Ton „f“ erfuhr in einem Artikel der Rieser Nachrichten vom 12.10.1987 besondere Erwähnung: „Am kleinen Turmvorbau wurde die Holzblende nach alten Bildern im neugotischen Stil nachgebaut und die bei der letzten Renovierung vor rund 30 Jahren dort aufgehängte Styropor-Nachbildung durch das Original ersetzt.“ Diese Totenglocke trägt die Aufschrift: „+ goss + mich + mathias + perner + in + eichstett + 1734 + lux + aeterna + luceat + fidelibus + defunctis“ – „Das ewige Licht leuchte den seligen Verstorbenen“.
Eine weitere Glocke mit dem Ton „as“ trägt die Namen der vier Evangelisten „matthäus + markus + lukas + johannes“ sowie die Jahreszahl 1487 und wurde in alter Zeit zur Verlesung des Evangeliums geläutet. Sie wurde in sehr schwerer Rippe gegossen und klingt für ihre Größe (Durchmesser 60 cm, Höhe 48 cm) und ihr Gewicht (151 kg) eigentlich viel zu hoch. Bemerkenswert ist auch ein Eintrag in den „Heiligenrechnungen“ des Pfarramtsarchivs von St. Jakob in Oettingen: „1487 eine neue Glocke“. Unklar bleibt jedoch, ob es sich dabei tatsächlich um unsere Glocke handelt. Bei der Ergänzung des historischen Geläuts im Jahr 2010 wurde diese Glocke im Turm der St. Leonhardskapelle an der Wörnitz installiert und kann dort heute von Hand geläutet werden.

Größte Glocke von St. Sebastian in ges 
Geläut von St. Sebastian 
Glockenturm von St. Sebastian 
Älteste Glocke von St. Sebastian
Am Dreifaltigkeitssonntag 2010 konnte das historische Geläut unserer Stadtpfarrkirche durch zwei neue Glocken ergänzt werden, die in Form und Klangcharakter dem vorhandenen Geläut exakt angepasst sind und in historischer Form nachgegossen wurden. Auch die Zierbänder und Reliefs entsprechen den vorhandenen Glocken – eine Meisterleistung der Glockengießerei Graßmayr in Innsbruck. Damit wurden die bisherigen Lücken im Gesamtklang ausgefüllt, sodass ein voller und wohlklingender Akkord entsteht. Die kleinere Glocke mit dem Ton es’’ hat einen Durchmesser von 66 cm und wiegt 185 kg. Sie wurde dem Heiligen Petrus, dem Patron der Fischer, geweiht und ist von Familie Xaver Wagner aus Oettingen gestiftet worden. Die größere Glocke mit dem Ton b’ hat einen Durchmesser von 89 cm und wiegt 440 kg. Sie wurde dem Heiligen Josef, dem Patron der Arbeiter, geweiht und ist vom 2. Bürgermeister der Stadt Illertissen, Herrn Josef Kränzle, für die Stadtpfarrei St. Sebastian in Oettingen gestiftet worden.
So präsentiert sich das Geläut im Jahr 2011
| Name | Ton | Jahr | Gewicht | Durchmesser | Höhe |
|---|---|---|---|---|---|
| Gloriosa | ges’ | 1566 | 939 kg | 118 cm | 97 cm |
| Angelusglocke | g’ | 1566 | 780 kg | 106 cm | 87 cm |
| Josefsglocke | b’ | 2010 | 428 kg | 88 cm | 71 cm |
| Taufglocke | c’’ | 1566 | 310 kg | 80 cm | 67 cm |
| Petrusglocke | es’’ | 2010 | 174 kg | 65 cm | 53 cm |
| Totenglocke | f’’ | 1734 | 83 kg | 51 cm | 39 cm |
Das Geläut der Evangelischen St. Jakobskirche Oettingen
Das wohlklingende fünfstimmige Geläut der evangelischen St. Jakobskirche ist im Jahr 1952 von dem berühmten Glockengießer Friedrich Wilhelm Schilling in Heidelberg gegossen worden. Seine Glocken erklingen unter anderem auch im Mainzer Dom und im Konstanzer Münster. Das ursprüngliche historische Geläut von St. Jakob, das sicher auf das 16. Jahrhundert zurückging, musste bereits im 1. Weltkrieg abgegeben werden und wurde 1925 durch neue Glocken ersetzt. Im 2. Weltkrieg wurden diese wiederum eingeschmolzen, sodass heute bereits die 3. Generation von Glocken im Turm der St. Jakobskirche hängt.
| Name | Ton | Gewicht |
|---|---|---|
| Dreieinigkeitsglocke | des’ | 1584 kg |
| Christusglocke | f’ | 758 kg |
| Betglocke | as’ | 423 kg |
| Kriegergedächtnisglocke | b’ | 295 kg |
| Taufglocke | des’’ | 168 kg |
Oettinger Portatile
Eine Kostbarkeit im Augsburger Diözesanmuseum
Die urkundliche Erwähnung des Jahres 1312, als Oettingen von der Mutterkirche in Ehingen getrennt und zur selbstständigen Pfarrei erhoben wurde, ist ein markantes Datum in der Geschichte Oettingens. Es gibt nur wenige Zeugnisse aus dieser Zeit, wie zum Beispiel den gotischen Chorraum von St. Jakob, mit dessen Bau im Jahr 1312 begonnen wurde. Ein besonders wertvolles Zeugnis ist das so genannte Oettinger Portatile, ein Tragaltar aus dem Rhein-Maasgebiet um 1160. Es handelt sich dabei um einen Altarstein etwa in der Größe eines DIN-A4-Blattes mit vergoldeter Kupfereinfassung. Die folgende Beschreibung stammt aus dem Ausstellungskatalog des Diözesanmuseums St. Afra in Augsburg.
„Der Oettinger Tragaltar kam am 13. April 1874 als Leihgabe der Stadtpfarrkirchenstiftung St. Sebastian von Oettingen in die Sammlung des Augsburger Diözesanmuseums. Er stammt aus der 1467 von Ulrich von Oettingen gestifteten Kapelle des Hl. Sebastian in Oettingen. Die inschriftliche Weihe des Tragaltars an den Hl. Jakobus lässt darauf schließen, dass er aus der Pfarrkirche St. Jakobus in Oettingen an die Sebastianskapelle übergeben worden war. Als Tragaltar oder Portatile bezeichnet man einen beweglichen Kleinaltar, auf dem in Ermangelung eines geweihten, festen Altars, etwa auf Reisen, die Messe gefeiert werden konnte. Ein Tragaltar besteht aus einem geweihten Altarstein, der meist ein Reliquiengrab deckt und so groß sein muss, dass Kelch und Hostie darauf Platz finden.
Der Altarstein des Oettinger Tragaltars, eine Platte aus Solnhofener Kalkschiefer, wird von gestanzten Ornamentbändern gerahmt, die von schmaleren gravierten Bändern eingefasst werden. Die mittlere und breiteste Borte zeigt bemerkenswert aufwändig gearbeitete, elegante Drachen in gegenständiger Anordnung. Den Altarstein umschließt an drei Seiten eine Inschrift, welche die Heiligen nennt, deren Reliquien im Altargrab geborgen sind: Fabian, Sebastian, Vincenz von Valencia, Hippolytus, Tiburtius, Valerian, Cosmas und Damian sowie Blasius. An der oberen Schmalseite befindet sich eine weitere Inschrift in gotischer Minuskel:
Die Ecken sind mit vier farbigen Grubenschmelzplatten besetzt. Sie zeigen Begebenheiten, die typologisch auf den Kreuzestod Christi und die Eucharistiefeier bezogen sind: Die Aufrichtung der ehernen Schlange durch Mose, die Witwe von Sarepta mit den gekreuzten Hölzern, das Opfer Abels und den alttestamentlichen Priesterkönig Melchisedek, der Brot und Wein am Altar darbringt. Die Kanten des Altars umläuft ein gestanztes und vergoldetes Kupferband mit herzförmig angelegten Blattranken. Auf der Braunfirnisplatte der Unterseite ist der gekreuzigte Christus dargestellt, flankiert von ECCLESIA und SYNAGOGA. Ecclesia als Sinnbild der Kirche fängt das Blut aus der Seitenwunde Christi in einem Kelch auf, während sich Synagoge als Sinnbild der Juden mit verbundenen Augen vom Kreuz abwendet.
Die Kreuzigungsszene ist umgeben von den vier Kardinaltugenden FORTITUDO (Tapferkeit) mit Schwert und Schild, IUSTICIA (Gerechtigkeit) mit Winkelmaß und Setzwaage, TEMPERANCIA (Mäßigung), die in zwei Gefäßen Flüssigkeiten zum rechten Verhältnis mischt und PRUDENCIA (Klugheit) mit einer drachenartigen Schlange. Den zentralen Vierpass umläuft kreisförmig eine Inschrift:
Die Ecken besetzen getriebene und punzierte viertelkreisförmige Beschlagplatten aus vergoldetem Kupfer mit den Evangelistensymbolen. Das Markussymbol fehlt. Auch die seitlichen Rahmenleisten sind in der linken oberen Ecke teilweise abgerissen. Vielfach ist die Vergoldung abgerieben, ebenso der Braunfirnis an den Stellen, an denen die Platte aufgelegen hat. Die kunsthistorische Einordnung des Altars stützt sich bislang vor allem auf die Emails an der Oberseite: „Maasländisch um 1160, aus dem Umkreis des Godefroid de Claire.“
Kapellen
Stadtpfarrer
Die einstige Wallfahrtskirche St. Sebastian gehörte seit ihrer Gründung im Jahr 1467 zur Stadtpfarrei St. Jakob. Durch die Reformation wurde St. Sebastian im Jahr 1542 zur katholischen Pfarrkirche. Von 1643 bis 1782 wurde die katholische Pfarrei St. Sebastian von Jesuiten betreut. Ihr früherer Pfarrhof liegt am Nordende der Pfarrgasse auf der östlichen Seite. Der Gebäudekomplex wurde 1762 an Privatleute verkauft und die Jesuiten zogen in den heutigen Pfarrhof um, der zu diesem Zweck neu erbaut worden war. Kurzzeitig unterhielten die Jesuiten im Nebenhaus (Richtung Schlossstraße, heute Garten) ein Gymnasium. Bei dem Pfarrhof, der in der Liste der Baudenkmäler in Bayern aufgeführt ist, handelt es sich um einen zweigeschossigen Walmdachbau mit abgerundeten Ecken, Lisenengliederung, über Eingang und Toreinfahrt durchbrochenem Bandgesims, Putzrahmen mit Kragstein um die Fenster, Freitreppe und Toreinfahrt im Osten. An der Südseite ist eine fast lebensgroße Holzfigur der Maria Immaculata in Eiche von Johann Christoph (Lüttich 1725) angebracht. Die Immaculata – so nennt man eine Mariendarstellung mit Zepter und Krone auf einer Weltkugel mit Schlange und Mondsichel stehend – wurde zusammen mit der Fassade, den Fenstern und dem historischen Dachstuhl im Jahr 2014 umfassend restauriert. Die Ahnengalerie der Stadtpfarrer von Oettingen lässt sich über 500 Jahre nahezu lückenlos zurückverfolgen:
| Amtsantritt | Name |
|---|---|
| 1493 | Dr. Emeram Wager |
| 1520 | Christoph Han |
| 1552 | Dr. Gabriel Thalheimer |
| 1557 | Georg Lüttinger |
| 1568 | Konrad Bartholomäus |
| 1576 | Johann Beer |
| 1584 | Mgr. Johann Binder |
| 1591 | Mgr. Leonhard Baumeister |
| 1591 | Mgr. Konrad Faber |
| 1596 | Mgr. Martin Reixhardus |
| 1601 | Mgr. Johann Sauerwein |
| 1603 | Dr. Johann Stöcker |
| 1607 | Dr. Johann Jakob Stephanius |
| 1637 | Mgr. Michael Hailing |
| 1649 | P. Johann Lindenmayr S.J. |
| 1690 | P. Christoph Koler S.J. |
| 1699 | P. Anton Sembler S.J. |
| 1723 | P. Matthäus Ruckhaber S.J. |
| 1761 | P. Joseph Auer S.J. |
| 1774 | Marquard Ursini |
| 1777 | Roman Frewis |
| 1789 | Johann Nepomuk Baumhauer |
| 1815 | Anton Stockinger |
| 1816 | Johann Nepomuk Ziegelmayr |
| 1824 | Johann Baptist Messerschmid |
| 1869 | Anton Reichensperger |
| 1870 | Andreas Schuster |
| 1880 | Karl Lämmermayer |
| 1888 | Adolf Aubele |
| 1897 | Johann Evangelist Deller |
| 1909 | Karl Preinfalk |
| 1931 | Josef Briechle |
| 1950 | Dr. Franz Paul Fackler |
| 1966 | Erwin Schiffelholz |
| 1967 | Berthold Grabs |
| 1983 | Günther Weber |
| 1988 | Franz Xaver Neher |
| 2007 | Dr. Ulrich Manz |
| 2024 | Richard Hörmann |






















