Mit Maria dem Himmel entgegen

Maialtar in Oettingen

Maialtar in Oettingen

Auf dem neu gestalteten Maialtar der Stadtpfarrkirche St. Sebastian in Oettingen hat die Muttergottes alle Hände voll zu tun. Auf dem linken Arm trägt sie ihren Sohn Jesus und mit ihrer rechten Hand hält sie uns den Rosenkranz entgegen. Mir ist, als wollte sie sagen: Schaut auf Jesus und betrachtet die Geheimnisse des Glaubens! In der Tat bieten die Rosenkranzgeheimnisse einen tiefen Einblick in das Herz des Erlösers und in das Herz der Muttergottes. Jesus Christus hat wie wir als Mensch gelebt, mit allen Höhen und Tiefen, mit Freude und Leid. Und genau das verdeutlichen die freudenreichen, die schmerzhaften und die glorreichen Rosenkranzgeheimnisse.

Im freudenreichen Rosenkranz erfahren wir, wie Maria ihren Sohn Jesus vom Heiligen Geist empfangen hat, wie sie ihn zu Elisabeth getragen und in Betlehem geboren hat. Sie hat ihr neugeborenes Kind im Tempel von Jerusalem Gott geweiht und den zwölfjährigen Jesus, den sie verloren geglaubt hatte, in diesem Tempel wiedergefunden. Im schmerzhaften Rosenkranz weint Maria um ihren Sohn, der um unserer Sünden willen Blut geschwitzt hat, der gegeißelt und mit Dornen gekrönt worden ist. Jesus Christus hat für uns das schwere Kreuz auf sich genommen und ist für uns am Kreuz gestorben. Er sagte: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15, 13) Nach Freude und Leid im irdischen Leben des Gottessohnes erfahren wir im glorreichen Rosenkranz, dass die Liebe Gottes stärker ist als der Tod und dass der Sohn Gottes am dritten Tage von den Toten auferstanden ist. In den Himmel aufgenommen, hat er uns seinen Heiligen Geist gesandt, der Mut macht und belebt. Erfüllt von diesem Heiligen Geist erhielt auch Maria Anteil an der Auferstehung und an der Krone des ewigen Lebens, als sie in den Himmel aufgenommen wurde. So schließt sich also der Kreis eines Lebenslaufes, wie Jesu selbst ihn beschrieben hat: „Vom Vater bin ich ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.“ (Joh 16, 28) Indem wir die Perlen des Rosenkranzes der Reihe nach durch unsere Finger gleiten lassen, beschreiben wir einen ähnlichen Kreislauf. Wie der Rosenkranz vom Kreuzzeichen ausgeht und am Ende wieder zu ihm zurückfindet, so gehen wir alle von Gott aus und kehren am Ende unseres Lebens zu Gott zurück. Dabei mag es viele freudenreiche, aber auch schmerzhafte Erfahrungen geben. Eines jedoch ist sicher: Am Ende siegt immer das Leben über den Tod. Mit dem Segensgebet über das Osterfeuer am Beginn der Osternacht bekennen wir: „Christus ist siegreich auferstanden vom Tod! Sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen.“

Ulrich Manz

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