Der Wächter sehr hoch auf der Zinne

Der Grabwächter von St. Margareta in Laub

Der Grabwächter von St. Margareta in Laub

Im Jahr 1599 schuf Philipp Nicolai (1556-1608) das Adventslied “Wachet auf, ruft uns die Stimme.” Dort heißt es: “Wachet auf, ruft uns die Stimme, der Wächter sehr hoch auf der Zinne. Wach auf, du Stadt Jerusalem. Mitternacht heißt diese Stunde; sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohlauf, der Bräut’gam kommt. Steht auf, die Lampen nehmt. Halleluja. Macht euch bereit zu der Hochzeit! Ihr müsset ihm entgegen geh’n.“ Das Lied spielt auf das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen an. Nur fünf von ihnen waren bereit, dem Bräutigam Jesus Christus mit brennenden Lampen entgegenzugehen. Die Lampen der fünf anderen Jungfrauen waren leer. So weit, so gut. Aber wie kann ich mir den “Wächter auf der Zinne” vorstellen?

Dabei kommt mir die Holzfigur eines Grabwächters zu Hilfe, wie er in der Pfarrei St. Margareta in Laub Jahr für Jahr am Heiligen Grab aufgestellt wird. Er trägt die Uniform eines römischen Soldaten. Brustpanzer, Helm, roter Umhang, Schwert und Lanze erinnern an jene Ausrüstung, die auch der heilige Martin als römischer Soldat in Frankreich getragen haben mag. Wenn ich in der Bibel nachblättere, entdecke ich zu diesen Stichworten äußerst inspirierende Zitate, die mir helfen, die Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten völlig neu zu überdenken. Beim Propheten Micha heißt es: “Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.” (Micha 4,3) Ich verfolge diese Fährte und finde im Römerbrief des Apostels Paulus das folgende Zitat: “Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.” (Röm 13,12) Schließlich finde ich im ersten Thessalonicherbrief des Apostels Paulus, dem ältesten Dokument des Neuen Testaments, die folgenden Worte: “Wir aber, die dem Tag gehören, wollen nüchtern sein und uns rüsten mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil.” (1 Thess 5,8) Jetzt weiß ich, was den Wächter auf der Zinne auszeichnet. Es nicht nicht mehr der römische Soldat, sondern die gläubige Seele, die bereit ist, Schwerter zu Pflugscharen und Lanzen zu Winzermessern umzuschmieden. Die gläubige Seele lebt als Kind des Lichtes und des Tages. Sie ist gerüstet mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. Was für ein Paradigmenwechsel! So können wir der Ankunft des Messias gut gerüstet entgegengehen. Von ihm sagte der Prophet Jesaja: “Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, der mit Blut befleckt ist, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.”

Ulrich Manz

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