Maria – die Rose des Volkes Israel

Madonna im Rosenhag (Stefan Lochner 1450)

Madonna im Rosenhag (Stefan Lochner 1450)

Eines meiner liebsten Marienlieder ist das Lied Maria durch ein Dornwald ging. Mit seiner mittelalterlich ernsten Melodie wird es meistens im Advent gesungen, obwohl es eigentlich ein altes Wallfahrtslied ist. Das Lied ist eine fantasievolle Ausschmückung jenes Weges, auf dem Maria zu ihrer Base Elisabeth ins  Bergland von Judäa gewandert ist. Ähnlich wie das berühmte Weihnachtslied Es ist ein Ros entsprungen spielt der Text mit dem Bild vom Stammbaum, der viel zu lange wie ein alter Baumstumpf oder eben wie ein Dornbusch ohne Frucht geblieben ist. Aber mit Gottes Hilfe entsteht neues Leben. Lassen wir uns also von den drei Liedstrophen inspirieren.

Maria durch ein Dornwald ging, der hat in sieben Jahrn kein Laub getragen. Der ausgetrocknete und verdorrte Dornwald steht für das Schicksal des Gottesvolkes Israel. Der Auszug aus der ägyptischen Sklaverei, die Wanderung durch die Wüste, der Tanz um das Goldene Kalb, die Entbehrungen der Babylonischen Gefangenschaft – all das hat den Stammbaum des Volkes Israel verdorren lassen.

Was trug Maria unter ihrem Herzen? Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen, das trug Maria unter ihrem Herzen. Maria ist die Christophora, die Christusträgerin. Sie trägt den Erlöser der Welt in diesen alten Dornwald hinein wie ein Lebenselixier, wie ein Hoffnungszeichen oder wie ein Licht, das die ewige Dunkelheit der Jahrhunderte erleuchtet und ein neues Gottesvolk heranwachsen lässt.

Da haben die Dornen Rosen getragen. Als das Kindlein durch den Wald getragen, da haben die Dornen Rosen getragen. Wie bei der Wüstenrose von Jericho reichen wenige Tropfen lebendigen Wassers, damit aus dem alten, vertrockneten Baumstumpf der Söhne Abrahams neues Leben zu wachsen beginnt. Eine Blüte nach der anderen öffnet sich für Christus, den Sohn Gottes, das Licht der Welt.

Maria ist schließlich am Ziel ihrer Wanderschaft angekommen – nicht nur deshalb, weil sie Elisabeth angetroffen hat. Nein, auch am Ende ihres Lebens hat sie ihr Ziel erreicht. Sie hat mitgeholfen, dass die Botschaft Jesu vom Himmelreich mitten in der Welt aufblühen konnte. So ist sie zur schönsten Rose ohne Dornen geworden, die jetzt im Himmel blüht und uns zum Lobpreis Gottes einlädt.

Ulrich Manz 

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