Gebet zur Mutter Gottes

Oettinger Madonna (um 1880)

Oettinger Madonna (um 1880)

Heilige Maria, du treue Weggefährtin Gottes! Als der Engel Gabriel dir Gottes Botschaft überbracht hat, dass du vom Heiligen Geist ein Kind empfangen würdest, hast du Ja gesagt. Ohne Wenn und Aber hast du dich von Gott in den Dienst nehmen lassen.  Aus Liebe zu Gott hast du alle Bedenken hinter dir gelassen und warst bereit, dich auf den Weg zu machen. Gläubig und liebevoll hast du dem Herrn den Weg bereitet. Du warst unaufhörlich unter­wegs, immer im Namen des Herrn. Mit Jesus Christus unter dem Herzen führte dich dein Weg ins Berg­land von Judäa, um deiner Base Elisabeth die frohe Botschaft zu überbringen. Du warst unterwegs von Nazaret nach Betlehem, zur Geburt des Gottes­sohnes in Armut und Not.

Du bist mit Josef nach Ägypten geflo­hen und wieder in deine Heimat zurück­gekehrt. Den zwölf­jährigen Jesus hast du auf der Wallfahrt nach Jerusalem begleitet. Du warst bei ihm auf der Hochzeit zu Kana und auf seinem Kreuzweg. Wie einst das Volk Israel auf seiner langen Wander­schaft die Bundeslade mit sich geführt hat, so hast du deinen Sohn auf seinem Weg begleitet. Die Kraft des Heiligen Geistes, die dich erfüllt hat, möge auch uns fähig machen, stets für Gott und mit Gott unterwegs zu bleiben.

Maria, voll Liebe zur Heiligen Familie! Zusammen mit dem Heiligen Josef hast du deinem Sohn Jesus Christus seit seiner Geburt eine liebevolle Wohnung bereitet. Du hast ihm  Heimat und Geborgenheit geschenkt. In deinem Schoß  war er sicher und behütet. Mit der Liebe einer gütigen Mutter hast du dafür gesorgt, dass sein erstes Lächeln, seine ersten Schritte und seine ersten Worte in dieser Welt Raum finden und sich entfalten konnten. So hat es Gott gewollt. Schon am Anfang der Schöpfung hatte Gott beschlossen: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Gott schuf also den Menschen als sein Abbild. Als Mann und Frau schuf er sie, als Vater und Mutter, als Menschheitsfamilie. Dieser göttliche Wille hat sich in der Heiligen Familie auf besondere Weise erfüllt. Sie möge unser Vorbild und unsere Richtschnur sein, für unsere Familien, für unsere Gesellschaft, für unser Zusammenleben, für den Zusam­men­halt der Generationen, für ein harmonisches Miteinander von Männern, Frauen und Kindern inmitten unserer Kirche.

Maria, du Quellgrund der göttlichen Weisheit! Wir können nur ahnen, wie groß dein Verdienst war, als es darum ging, deinen Sohn Jesus Christus in die Weisheit der Heiligen Schrift einzu­führen. Du hast ihn beten gelehrt. Du hast ihm den Reichtum der Psalmen erschlossen. Du warst für ihn da, als er wissbegierig und mit großer Begeisterung für Gott Fragen über Fragen stellte. So kennen wir es von jeder guten Mutter. Wie groß muss deine Freude gewesen sein, als du später aus dem Munde deines Sohnes jene frohe Botschaft hörtest, deren Gedanken du mit deinem Sohn zu Hause in Nazaret vorbereitet und erwogen hast. Dein Sohn Jesus Christus wurde mit seiner Predigt zur geist­lichen Quelle lebendigen Wassers, und du warst für ihn der Quellgrund, aus dem diese Quelle hervorgegangen ist. Du warst der Rosenstock aus Davids Stamm, der in deinem Sohn die schönste Blüte hervorgebracht hat. Wir danken dir dafür.

Maria, treu bis ans Kreuz! Der schwerste Weg deines Lebens war der Kreuzweg, den dein Sohn gehen musste. Und wieder hast du Ja gesagt, wie bei der Botschaft des Engels. Für Generationen von Christen vermochtest du als Schmerzensmutter Trost zu spenden. Zusammen mit dem Apostel Johannes hast du unter dem Kreuz das Vermächtnis deines Sohnes empfangen, als er zu dir sagte: Frau, siehe, dein Sohn. Und zu Johannes sagte er: Siehe, deine Mutter. Seither geht deine Sendung als Mutter Gottes unauf­hörlich weiter. Du bist uns allen zur Mutter geworden, zur Mutter der Herzen und zur Mutter der Kirche. Mache uns fähig, deine Mutterliebe, dein Mitgefühl und deine Stärke an andere weiter zu schenken und so das Reich Gottes, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens aufzubauen.

Maria im Licht der Auferstehung! Gerade noch hieltest du deinen toten Sohn in deinem Schoß und musstest zusehen, wie er ins Grab gelegt wurde. Drei Tage später ist er von den Toten auf­erstanden, wie er es immer gesagt hat. Lass uns die Tränen der Freude nachempfinden, die du vergossen hast, als das Licht der Auferstehung über deinem Leben aufgegangen ist. Groß war dein Schmerz, als du deinen Sohn aus den Händen geben muss­test. Übergroß jedoch war deine Freude, als du deinen Sohn von Gott her als den auferstandenen und erhöhten Herrn auf neue Weise empfangen durftest. Du hast ein Leben lang den Boden bereitet, der Christus als das Weizenkorn in sich aufnehmen sollte. Einmal in die Erde gelegt, ist er jedoch zu neuem Leben auferstanden und hat reiche Frucht gebracht.

Maria, du Tempel des Heiligen Geistes! Als du nach der Auf­erstehung Christi mit den Jüngern im Abendmahlssaal ver­sammelt warst, kam der Heilige Geist auf dich herab. Niemand hat wie du sein Leben lang so fest und unerschütterlich an das Wirken des Heiligen Geistes geglaubt. Im Heiligen Geist hast du dem Sohn Gottes von Anfang an den Weg bereitet. Und dieser Heilige Geist ist aufs Neue zu dir zurückgekehrt und hat deine Seele erfüllt. Seither bist du für alle, die an Gott in Jesus Christus glauben, zu einer Pforte des Himmels und zum Tempel des Heiligen Geistes geworden, zu einer liebenswerten Wohnung, nach der wir uns in Sehnsucht verzehren. Bleibe du unsere Heimat, unsere Zuflucht und unsere mächtige Fürsprecherin!

Heilige Maria, aufgenommen in den Himmel! Die Weisheit der Heiligen Schrift gebietet uns: Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben! Du warst die gute Mutter und die treue Magd des Herrn. Am Ende deiner Tage sehen wir dich aufgenommen in die Herrlichkeit des Himmels. Gott Vater, der seinen Sohn Jesus Christus als Erlöser gesandt und uns in ihm die Geheimnisse des Himmelreiches geoffenbart hat, möge auch uns dereinst zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes aufer­stehen lassen. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Ulrich Manz

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.