Gebet zum Heiligen Franziskus und zum Heiligen Sebastian

St. Franziskus und St. Sebastian

St. Franziskus und St. Sebastian

Heiliger Franziskus! Aus Liebe zu Gott hast du Heimat und Vaterhaus verlassen. Das Prachtgewand des reichen Jünglings hast du abgelegt, um frei zu  sein für die Nachfolge Christi. Lieber trugst du die Kutte des Bettelmönchs, um Gott und den Menschen in Armut und Demut zu dienen. Wie unser Herr Jesus Christus warst du als Wanderprediger unterwegs, um Menschen für Gott zu gewinnen.

Gerne und freiwillig teiltest du das Los unseres Heilandes, der sagte: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester. Der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Wir danken dir für dein Vor­bild. Lehre uns begreifen: Wer sein Leben hingibt um Christi willen, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Du hast auf Christi Wort gehört: Sammelt euch Schätze im Himmel. Wir möchten gerne so frei sein wie du. Bitte für uns, dass wir stark genug sind, um dem schönen Schein des irdischen Reichtums zu entsagen. Vor allem anderen aber lass uns mitwirken am Aufbau des Reiches Gottes in dieser Welt.

Franziskus, du Spielmann Gottes! Wie gerne stimmen wir immer wieder ein in deinen Sonnengesang. Mit dir singen wir ein Loblied auf Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Mit dir zusammen geben wir der Schöpfung eine Stimme.  Wir fühlen uns als Kinder Gottes und als Brüder und Schwestern in Christus. Zeige uns, wie wir die Schöpfung so innig lieben können, wie du sie geliebt hast. Für dich war die Welt eine große Familie. Bruder Sonne und Schwester Mond, Bruder Wind und Schwester Wasser, Bruder Feuer und Mutter Erde: Sie alle preisen in deinem Lobgesang die Herrlichkeit des Herrn. Lass uns einstimmen in das große Lied der Schöpfung und geborgen sein in ihrem Schoß. Die Ehrfurcht vor dem Leben und der Wille zum Leben mögen unser Denken, Reden und Handeln prägen. In einer Zeit, die nichts anderes mehr kennt als die Ausbeutung und die Zerstörung der Natur, wollen wir alles tun, um mit allen unseren Kräften der Bewahrung der Schöpfung zu dienen. Denn Gott selbst will immer mehr in seiner Schöpfung gegenwärtig sein.

Franziskus, du Freund der Armen! Du hattest ein Herz für die Kleinen und Geringen. Indem du freiwillig arm wurdest, hast du ihr Los geteilt und Trost gespendet. Du wusstest, dass Gott sich aus dem Munde der Kinder und Säuglinge sein höchstes Lob bereitet hat. Hilf uns, für andere da zu sein. Nach deinem Vorbild wollen wir die Trauernden trösten, die Schwachen unterstützen, den Gebeugten aufhelfen, die Unwissenden lehren, die Zweifeln­den beraten und sie von ganzem Herzen lieben, wie Christus es uns geboten hat, als er sagte: Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen. Ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben. Ich war krank und ihr habt mich besucht. Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Franziskus, du Baumeister unserer Kirche! Gottes Stimme sprach zu dir: Baue meine Kirche wieder auf! Lass uns dazu beitragen, dass wir alle zu lebendigen Steinen am Hause Gottes werden. Zu allen Zeiten lag die Kirche in Trümmern. Zu allen Zeiten wurde sie jedoch auch immer wieder aufgebaut. Sie ruht auf dem Fundament der zwölf Apostel. Ihr Schlussstein ist Christus Jesus selbst. Die Kirche muss sich immer wieder von innen her erneuern. Das hast du uns durch dein Leben klar gemacht. Lass uns niemals müde werden, weiter zu bauen, inniger zu hoffen und fester zu glauben. Diese Kirche soll schön sein, vom Heiligen Geist erfüllt, bereit für den Tag, an dem der Herr wiederkommt und uns alle an sich zieht.

Franziskus, du Botschafter Gottes! Was du an göttlichem Licht durch Gebet und Betrachtung in die Tiefen deiner Seele aufgenommen hast, das wolltest du weiterschenken. So bist du für andere zum Licht geworden. Deine Begeisterung für die frohe Botschaft kannte keine Grenzen. Sogar den Fischen im Wasser und den Vögeln in den Bäumen hast du gepredigt. Den bösen Wolf von Gubbio vermochtest du zu zähmen. Gib uns etwas von dieser Leidenschaft für Gott, von dieser Liebe, die die ganze Welt umarmen möchte. Denn Zerstörungswut und Hass gibt es schon genug. Was wir brauchen, ist deine Liebe zu allen Geschöpfen.

Franziskus, du Bote des Friedens! In deiner sympathischen Art hast du die Liebe zu Gott und zu deinen Mitmenschen mit jeder Faser deines Daseins gelebt. Wie unser Herr Jesus Christus bist du durch die Straßen und Dörfer gezogen, um allen Menschen guten Willens Frieden und Wohlergehen zuzusprechen und um sie zu segnen. Du hast verstanden, was es bedeutet, keine Gewalt anzuwenden. Lass uns so werden wie du. Wir wollen auf Rache und Vergeltung verzichten. Im Geiste Jesu Christi wollen wir versuchen, sogar unsere Feinde zu lieben und denen Gutes zu tun, die uns hassen. So hat es uns Christus vorgelebt. Die Wundmale des Gekreuzigten, die du am Ende deines Lebens nachempfunden und empfangen hast, mögen uns ein Zeichen der Hoffnung sein. Nicht die Zähne und Klauen des Wolfes werden die Welt verändern, sondern die Duldsamkeit des Lammes Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.

Heiliger Franziskus! Wir bitten dich: Lass uns alle eines Tages zu einer großen Familie zusammenwachsen, wie du es einst mit der Gründung deiner Ordensfamilie begonnen hast. Einer Gemein­schaft, die danach strebt, die ganze Welt zu umspannen, wird es eines Tages auch gelingen, diese Welt zu retten und sie zu Gott, ihrem Schöpfer, zurückzuholen. Nicht mehr Fremde oder Feinde, sondern Freunde Gottes wollen wir sein, wie du es gewesen bist. Maria, die Mutter des Herrn, sei auch die Mutter unserer Mensch­heitsfamilie, unsere Trösterin und Fürsprecherin, unser Schutzmantel und unsere Geborgenheit. Wenn wir eines Tages zum ewigen Leben auferstehen, dann mögen wir alle der göttlichen Herrlichkeit teilhaftig werden und Gottes Angesicht schauen. Das möge unser großes Glück und unsere Seligkeit sein, heute und in Ewigkeit. Amen.

 

Heiliger Sebastian! In den Kirchen unserer Heimat sehen wir dich, am Marterpfahl gefesselt und von Pfeilen durchbohrt, hingerichtet wegen deiner Treue zu Christus, der selbst am Kreuz gestorben ist. Unzählige Generationen von christlichen Gemein­den rufen dich als ihren Schutzpatron an, als Pestpatron, als Patron des Rieses und als Nothelfer in ausweglos erscheinen­den Gefahren. Du bist uns Vorbild und Fürsprecher, wenn es darum geht, dem Hass und dem Zerstörungswahn dieser so gewalt­tätigen Welt entgegenzutreten. Wir glauben an das Leben und wir glauben an die Liebe. Wir schauen auf dich und erbitten deinen Schutz, damit wir so wie du dem Glauben an den auferstandenen Christus treu bleiben können.

Sebastian, du Vorbild im Glauben an den lebendigen Gott! Seit den Zeiten des Bundes, den Gott mit dem Volk Israel am Berg Sinai geschlossen hat, bekennen wir uns zu dem Gebot: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben! Gott allein steht an erster Stelle in unserem Leben. Du hast nicht gezögert, für dieses Glaubensbekenntnis dein Leben hinzugeben. So viele fremde Götter wollen uns in Beschlag nehmen. Die Gier nach Macht, Reichtum, scheinbarer Überlegenheit über unsere Mitmenschen, Rechthaberei, Zerstörungswut, Ausbeutung der Natur, hemmungs­loser Egoismus und Geltungswahn bedrohen ein menschen­würdiges Zusammenleben. Von Toleranz, Barmherzig­keit und Opfer­bereitschaft scheinen wir mittlerweile weit entfernt zu sein. Schenke uns etwas von deiner bedingungslosen Liebe zu Gott und zu unseren Mitmenschen. Lass uns von neuem erkennen, dass wir alle von Gott geliebt und Gottes Ebenbilder sind, mit gleichem Wert und gleicher Würde ausgestattet.

Sebastian, du Anwalt der Barmherzigkeit! Uns ist überliefert, dass du als römischer Offizier den Schwestern und Brüdern, die zum christlichen Glauben gekommen sind, zur Zeit der römischen Christenverfolgung in den Gefängnissen zu Hilfe geeilt bist. Dein Vorbild erinnert uns an die Werke der Barmherzigkeit: die Hungernden zu speisen, den Dürstenden zu trinken zu geben, die Nackten zu bekleiden, die Fremden aufzunehmen, den Kranken beizustehen, die Gefangenen zu besuchen und die Toten zu begraben. Lass uns darin nicht nachlassen. Hilf uns, den eigenen Stolz und die eigene Bequemlichkeit zu überwinden, damit wir dieser Welt zum Segen werden können.

Sebastian, du Zeuge der Freiheit und Gewaltlosigkeit! Dein Schicksal unter Kaiser Diokletian erinnert uns an Jesus Christus, der unter dem römischen Statthalter Pontius Pilatus gelitten hat. Gekreuzigt, gestorben und begraben – so bezeugt es das christli­che Glaubensbekenntnis. Christus hat das geschehen lassen und er sagte: Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde. Lass uns ganz und gar aus diesem Heiligen Geist leben. Lass uns an die Worte der Bergpredigt denken: Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben. Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Nicht die römische Gewaltherrschaft hat uns Freiheit und Sicherheit gebracht, sondern nur der Glaube an die größere Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Gemeinsam mit dir sind wir unterwegs zum wahren König und Herrn der Welt, der sagte: Mein Reich ist nicht von dieser Welt.

Sebastian, du Martyrer in den Katakomben! Deine Schwestern und Brüder im Glauben, die frühen Christengemeinden, die im Verborgenen leben mussten, haben dich zuerst in ihren unterirdischen Verstecken beigesetzt. An den Gräbern der Blut­zeugen haben sie das Herrenmahl gefeiert, Psalmen, Hymnen und Lieder gesungen und so ihren festen Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus bekräf­tigt. Von neuem wollen wir uns auch heute um den Altar ver­sammeln und das Geheimnis unseres Glaubens feiern. Dabei erinnern wir uns an jenes letzte Abendmahl, bei dem uns Jesus Christus in den Zeichen von Brot und Wein seinen Leib zur Speise und sein Blut zum Trank dargereicht hat und uns geboten hat: Tut dies zu meinem Gedächtnis! Dein von Pfeilen durch­bohrter Leib wurde wie der Leib Christi in die Erde gelegt, wie Christus selbst es uns geoffenbart hat: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wir danken Gott dafür, dass er uns durch den Tod und die Auferstehung Christi wie auch durch das Glaubenszeugnis der Martyrer die reiche Frucht einer blühenden Kirche geschenkt hat, die bis heute weiterwirkt zum Heil der ganzen Welt.

Sebastian, du Schutzpatron unserer Pfarrgemeinde! Groß und vielfältig sind die Herausforderungen unserer Kirche in der modernen Welt. Vielfach angefochten und in Frage gestellt wird der Sendungsauftrag der Kirche. Lass uns nicht mutlos werden, sondern erneuere in uns den Geist der Weisheit und des Ver­standes, des Rates und der Stärke, den Geist der Erkenntnis, der Frömmigkeit und der Gottesfurcht. So werden wir in allen Gefahren bestehen können. Die christliche Gemeinde möge Tag für Tag neu auferstehen, wie fruchtbare Reben am Weinstock Jesu Christi, wie ein Leib aus vielen verschiedenen Gliedern, wie ein Haus aus lebendigen Steinen und wie eine Herde unter der Führung des guten Hirten Jesus Christus, der uns in eine gesegnete Zukunft führt.

Heiliger Sebastian! Bis zum Tod am Marterpfahl hast du deinem Herrn und Heiland Jesus Christus die Treue gehalten. Dein Schicksal erinnert uns an das Zeugnis des heiligen Stephanus, der sterbend gebetet hat: Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Lass uns alle fest stehen im Glauben, damit wir nach den Leiden dieser Zeit hinzutreten dürfen zum himmlischen Hochzeitsmahl. Auf deine Fürsprache, Heiliger Sebastian, tue uns dereinst der himmlische Vater das Tor zum Paradies auf, zur Heimkehr in das Land, wo kein Tod mehr ist, in das Land der ewigen Freude. Amen.

 Ulrich Manz

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