Die Himmelsschlüssel des Apostels Petrus

Apostel Petrus in der Karmelitenkirche Wien

Apostel Petrus in der Karmelitenkirche Wien

Seit über 1500 Jahren werden dem Apostel Petrus in der christlichen Kunst als Erkennungszeichen zwei Schlüssel in die Hand gegeben. Seine Nachfolger, die Päpste, führen seit über 700 Jahren diese zwei Schlüssel in gekreuzter Form im Papstwappen und auf ihren Münzen. Was bedeuten diese beiden Schlüssel?

Der Evangelist Matthäus erzählt davon, dass Jesus den Petrus zum Felsen seiner Kirche machen wollte. Dabei sagte er: „„Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du auf Erden binden wirst, das soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das soll auch im Himmel gelöst sein.“ (Mt 16, 19) Binden und Lösen – diese beiden Gegensätze erscheinen mir wie geschaffen für den Jahreswechsel. Denn auf der einen Seite wird das Tor des alten Jahres endgültig und unwiederbringlich abgeschlossen, und das Tor zum neuen Jahr wird um Mitternacht aufgeschlossen. Die Frage ist nur: Wie macht man das? Nun, die Sprache hilft uns dabei. Wenn etwas abgeschlossen ist, dann bedeutet das, dass ich einen Schlussstrich darunter ziehe, und dass ich auch geistig und emotional mit einer Sache abgeschlossen habe. Damit ich mit etwas abschließen kann, muss ich loslassen können, gegebenenfalls auch vergeben und vergessen können. Dale Carnegie sagte einmal: “Viele Leute klagen darüber, dass sie sich nichts merken können. Das viel größere Problem ist aber, dass sie nicht vergessen können.” Deshalb sagt auch der Apostel Paulus: “Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.” (Phil 3, 13-14) Ich gebe im Rückblick allem nochmals meinen Segen. Ich sage: Es war gut so. Danke, lieber Gott. Deshalb hat auch der eine Schlüsselbart die Form eines Kreuzes. Indem der Schlüssel abschließt, segnet er zugleich. Der zweite Schlüssel ist anders. Er hat die Form eines geöffneten Türspalts. Aufschließen bedeutet: eine Tür öffnen und damit den Weg frei machen. Es bedeutet: hindurchgehen, eintreten, vorwärts schreiten. Damit das gelingen kann, muss ich auch selbst im wahrsten Sinn des Wortes aufgeschlossen sein, offen für neue Wege, neugierig, interessiert, voller Tatendrang und Vorfreude. All das wünsche ich mir für das neue Jahr. Mit Jochen Klepper beten wir: „Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen. Nun von dir selbst in Jesus Christ die Mitte fest gewiesen ist. Führ uns dem Ziel entgegen!“

Ulrich Manz

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