Handläufe in St. Sebastian

Treppe am Sebastiansaltar

Treppe am Sebastiansaltar

Die Bronze-Handläufe beim Aufgang zum Altarraum der Stadtpfarrkirche St. Sebastian in Oettingen aus dem Jahr 1965 sind Teil jener zeitgenössischen Altarraumgestaltung, die der Kölner Bildhauer Prof. Elmar Hillebrand (1925–2016) geschaffen hat. Die reduzierte Formgebung der Handläufe sollte dazu dienen, nach Möglichkeit jedem Gläubigen im Kirchenschiff einen unverstellten Blick zum Altarraum zu ermöglichen und dennoch eine Absturzsicherung zum Krypta-Abgang zu gewährleisten. Bei einer Sicherheitsbegehung der Diözese Augsburg im Jahr 2020 wurde dem Geländer jedoch die Verkehrssicherheit abgesprochen, weil die freien Felder etwa den Absturz eines Kindes nicht wirksam verhindern können.

Der Kunstschmied Gerhard Förschner aus Oettingen hat den Gedanken einer reduzierten modernen Form aufgegriffen und die Handläufe durch drei parallel verlaufende, durchgehende Stäbe aus Messing ergänzt. Dabei sind in 120 Handwerkerstunden 28 Abschlusskugeln, 48 handgeschmiedete Halterungs-Ösen und 38 Meter massive Messingstangen verarbeitet worden. Die filigranen Ösen an den Geländerstangen sowie die kugelförmigen Abschlüsse zeugen ebenso von hoher Handwerkskunst wie die neu eingebrachten Abschlusspfosten links und rechts außen. Vom Farbton her heben sich die goldgelben Messingstäbe, die freilich noch etwas nachdunkeln werden, wohltuend vom starken Dunkelbraun der Bronze-Handläufe ab. Das Material schafft sowohl Kontrast als auch hohe Wertigkeit. Zugleich schlägt der Messingfarbton eine willkommene optische Brücke zu den zahlreichen Vergoldungen an den neugotischen Altären. Somit ist diese nachträgliche Ausgestaltung der Handläufe nicht nur als Zugewinn an Verkehrssicherheit, sondern auch als optische und künstlerische Bereicherung des Altarraums zu betrachten.

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