Göttlicher Glanz auf dem Antlitz Christi

Heilige Nacht von Carlo Maratta (1625-1713)

Heilige Nacht von Carlo Maratta (1625-1713)

Der Evangelist Lukas erzählt von der Geburt Jesu Christi in Betlehem: „In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“ (Lk 2, 9-12)

Wäre es dem großen Völkerapostel Paulus vergönnt gewesen, inmitten der Hirtenschar zur Krippe zu eilen und den neu geborenen Messias von Angesicht zu Angesicht sehen zu können, dann hätte er wohl schon damals über die Menschwerdung des Gottessohnes im Stall von Betlehem gesagt: „Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen.“ (2 Kor 8, 9) Und Paulus hätte das so erklärt: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.“ (Phil 2, 6-7) Aber nicht nur die Entäußerung des Gottessohnes in Armut und Not wäre Paulus aufgefallen, sondern auch die einzigartige Ausstrahlung, die von diesem Kind in der Krippe ausging. Denn „durch die barmherzige Liebe unseres Gottes hat uns besucht das aufstrahlende Licht aus der Höhe.“ (Lk 1, 78) Dieses Licht hat Paulus dann später vor Damaskus gesehen und er hat ein Leben lang darüber gesprochen. „Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit aufstrahlt die Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.“ (2 Kor 4, 6) Bei allem, was wir an Weihnachten feiern und was wir im Blick auf die Evangelienberichte von der Geburt Christi bedenken, darf demnach eines nicht fehlen: der göttliche Glanz auf dem Antlitz Christi. Gott selbst ist es, der in Christus Mensch geworden ist. Gottes Weisheit und Gottes Wort haben in Christus Gestalt angenommen. Die entscheidende Weihnachtsbotschaft erscheint demnach wie eine kostbare Medaille mit zwei Seiten. Die äußere Form der Armut im Stall von Betlehem zeigt die Liebe Gottes zum Armen und Geringen. Der innere, göttliche Glanz erinnert uns daran, dass in dem Kind Jesus das Wesen und die Ausstrahlung des göttlichen Vaters gegenwärtig waren und durch unser aller Berufung zur Gotteskindschaft in dieser Welt auch beständig gegenwärtig bleiben. Es liegt an uns, von diesem göttlichen Glanz auf dem Antlitz Christi Zeugnis abzulegen und es in die Welt von heute hineinzutragen.

Stadtpfarrer Dr. Ulrich Manz

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