Eine Stimme zum Synodalen Weg

Logo zum Synodalen Weg

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Auf der neu eingerichteten Homepage www.synodalerweg.de werden alle Gläubigen dazu aufgerufen, sich an der breit angelegten Debatte der Deutschen Bischofskonferenz in Zusammenarbeit mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken zu beteiligen. Dort heißt es: “Der Synodale Weg richtet vier Foren ein, die die Vorlagen für die synodalen Versammlungen entwickeln. Ihre Mitbeteiligung am Synodalen Weg ist uns sehr wichtig. Teilen Sie uns hier Ihre Überlegungen, Meinungen und Beratungsvorschläge mit. Wir bringen diese in die Arbeit ein.” Nachdem die Kolpingsfamilie Oettingen und der Frauenbund Oettingen zu diesem Thema am Samstag, dem 29. Februar 2020, von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr im Pfarrheim St. Sebastian (Sonnengasse 11) einen eigenen Vortrag ausrichten werden, hat sich Stadtpfarrer Dr. Ulrich Manz dieser Aufgabe gestellt und rechtzeitig zuvor am 6. Januar 2020 das folgende Votum via Internet in die Diskussion eingebracht.

Forum 1: Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag

Frage 1: Welche konkreten Erfahrungen von Macht und Ohnmacht haben Sie in der Kirche gemacht und was muss Ihrer Meinung nach in der Kirche verändert werden, damit der Umgang mit Macht besser kontrolliert und Machtmissbrauch verhindert werden kann?

Meine Erfahrung von Macht und Ohnmacht in der Kirche hängt mit meiner Priesterausbildung zusammen. Die einseitig hierarchische Struktur der Kirche hat mich viele Jahre lang ganz ohne Not von vorgesetzten Pfarrern, Regenten und Bischöfen, von ihren Launen und ihrem persönlichen Geschmack abhängig gemacht. Das ist nicht in Ordnung. Deshalb muss die kirchliche Hierarchie dringend aufgebrochen werden, und zwar in die Richtung von mehr demokratischen und kollegialen Strukturen. Mir wäre beispielsweise ein bunt besetzter Prüfungsausschuss, ein fachlich kompetentes Leitungsteam oder die Priesterausbildung in Kleingruppen tausendmal lieber gewesen als die unselige Abhängigkeit von teilweise neurotischen Vorgesetzten.

Frage 2: Wie können mehr Menschen aktiv an den Aufgaben und Entscheidungen in der Kirche beteiligt werden?

Meines Erachtens können nur dann mehr Menschen an den Aufgaben und Entscheidungen in der Kirche beteiligt werden, wenn die kirchliche Hierarchie in eine Basisdemokratie verwandelt wird. Dann wird die Kirche auch wieder ernst genommen. Bis jetzt engagieren sich viele getaufte Christen auch deswegen nicht in der Kirche, weil sie den Eindruck haben, dass sie ja eigentlich gar nicht gebraucht werden und dass das System bis jetzt noch ganz gut funktioniert. Viele fühlen sich außerdem nicht ernst genommen, weil ja die wirklich wichtigen Entscheidungen von den Bischöfen und vom Vatikan getroffen werden.

Frage 3: Wie können wir im Sinne von Papst Franziskus als Kirche in Deutschland überzeugender eine dienende Kirche sein?

Im Sinne von Papst Franziskus steht die Kirche in Deutschland, was ihr sozial-caritatives Engagement in der Gesellschaft angeht, meines Erachtens sehr positiv da, was wir hauptsächlich den Einrichtungen der Caritas und der Spendenfreudigkeit innerhalb der kirchlichen Hilfsorganisationen zu verdanken haben. Dagegen kann die hierarchische Struktur der deutschen Kirche, die ja mit der katholischen Gesamtstruktur identisch ist, ganz sicher nicht für sich in Anspruch nehmen, eine dienende Kirche zu sein. Überzeugender wäre es, wenn sich alle kirchlichen Amtsträger freiwillig selbst zurücknehmen würden. Das Weiheamt ist ein Talent innerhalb der Kirche, aber nicht das einzige. Die meisten anderen Talente außerhalb des Weiheamtes bleiben bis jetzt noch hauptsächlich ungenutzt. Wir brauchen ein neues Miteinander von Liturgie, Diakonie, Glaubensgemeinschaft und Glaubenszeugnis, und kein einsames Priesterheldentum.

Forum 2: Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft

Frage 1: Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht, welche Erkenntnisse oder Überzeugungen persönlich gewonnen?

Meines Erachtens hat die kirchliche Sexuallehre allein schon deswegen ihren Kredit verspielt, weil es immer die gleichen älteren, unverheirateten und außerhalb jeder eigenen Betroffenheit stehenden Amtsträger sind, die sie vertreten. Das ist unglaubwürdig. Ich persönlich habe mich in Fragen von Hingabe, Treue, Ehe und Partnerschaft immer an das Vorbild der christlichen Familien in unseren Pfarrgemeinden gehalten. Da kann man lernen, was Zusammenleben bedeutet, Toleranz gegenüber Andersdenkenden, Zusammenhalt, auch wenn ein Sohn oder eine Tochter ihren eigenen Weg gehen. Für mich ist eine kirchliche Sexuallehre nur dann auf der Höhe Zeit, wenn sie “von Familien für Familien” gemacht ist. Für mich ist die Familie ein göttliches Erfolgsmodell, das sich auch und vor allem in unseren kirchlichen Strukturen wiederfinden sollte: die Kirche als Familie im Großen und die Familie als Kirche im Kleinen.

Frage 2: Wie kann die Kirche Ihrer Meinung nach das Evangelium von der Liebe Gottes in unserer Zeit überzeugender verkünden?

Wir brauchen in der Kirche dringend mehr familienfreundliche und am Modell der klassischen Familie orientierte Strukturen. Das bedeutet ein ganz natürliches Miteinander von “Vater”, “Mutter” und “Kind”, von Männern und Frauen, von Alten und Jungen, von Bewahrern und Erneuerern, von Tradition und Fortschritt. Das Evangelium von der Liebe Gottes wird ja in unseren christlichen Familien bereits auf vielfältige Weise überzeugend verkündet, aber nur nicht da, wo familiäre Strukturen fast vollständig fehlen, nämlich in der kirchlichen Hierarchie. Sicher gibt es auch bei Priestern und Ordensleuten lebendige Glaubensgemeinschaften mit familienähnlichen Strukturen. Aber das kann nie ein Ersatz für eine echte eigene Familie sein. Deshalb sehe ich beispielsweise im evangelischen Pfarrhaus mit der klassischen evangelischen Pfarrfamilie ein überzeugendes Beispiel des gelebten christlichen Glaubens.

Frage 3: Was ist Ihnen wichtig in der Sexuallehre der Kirche und was müsste dringend verändert werden?

Zunächst müssen der Wert und die Würde der Familie auch weiterhin verteidigt und stärker religionspädagogisch an die jüngere Generation weitergegeben werden. Kinder sollen von ihren Eltern, von anderen christlichen Familien, im kirchlichen Kindergarten und im Religionsunterricht lernen können, dass uns allen die Familie das höchste Gut ist, auch wenn es immer wieder Probleme gibt, wenn Ehen zerbrechen und die Kinder mit ihren Eltern streiten. Nicht am Scheitern, sondern am Gelingen familiärer Strukturen sollten wir uns orientieren. Außerdem brauchen wir dringend eine uneingeschränkte Wertschätzung der persönlichen Gewissensentscheidung in Fragen der Sexualmoral. Das kirchliche Lehramt sollte viel qualifizierter zu einer Gewissensbildung des Einzelnen und der Gesellschaft beitragen, anstatt sich ständig wie eine Rentner-Gang von Moralaposteln aufzuführen.

Forum 3: Priesterliche Existenz heute

Frage 1: Was zeichnet Ihrer Auffassung nach einen authentischen Priester heute aus, welche Eigenschaften und Fähigkeiten sollte er besitzen?

Teamfähig sollte ein Priester sein, was die meisten Amtsträger jedoch durch ihre Ausbildung in einem streng hierarchischen System nie wirklich gelernt haben. Wenn sie dann in ihrer Pfarrei keinen Ärger bekommen wollen, dann passen sie sich leidlich an, was aber in Wahrheit keine Teamfähigkeit ist. Im Team spielt man wie im Fußball: Jeder bringt seine Stärken und seine Schwächen ins Spiel ein, und das Team ist dazu da, Stärken zu fördern und Schwächen auszugleichen. Ein authentischer Priester spielt in seiner Pfarrgemeinde im Team. Er sollte sich nicht um des lieben Friedens willen jeder einfältigen gemeindlichen Ideenbörse unterwerfen. Wenn er ein Stürmer ist, dann soll er sich auch kraftvoll einbringen, aber dabei auch andere mitnehmen. Für mich ist der Priester ein Zweig am Weinstock des Herrn, aber nicht der Weinstock selbst, ein Glied am Leib Christi, und, wenn es gut geht, ein lebendiger Stein im Hause Gottes.

Frage 2: Wie kann ein authentischer Priester mitten in der Welt von heute in der Nachfolge Jesu leben, welche Lebensform halten Sie für den Priester heute für angemessen?

Die Lebensform des Priesters sollte in eine von Grund auf modernisierte Kirchenstruktur eingebettet sein, welche den veralteten hierarchischen Aufbau ersetzt. Ich träume von einer Kirche der Talente und Charismen im Sinne des großen Völkerapostels Paulus. Jeder soll mit seinen Talenten und Begabungen in der Kirche Platz haben, aber eben in einer Kirche, die nicht länger nach dem Führerprinzip strukturiert ist, sondern kollegial, partnerschaftlich, kommunikativ, solidarisch, subsidiär, in der die Person des ehelos lebenden Priesters und Ordensmannes genauso gewürdigt und wertgeschätzt wird wie die ehelos lebende Ordensfrau. Aber ebenbürtig daneben soll in der Kirche auch die Würde der Frau und die Würde der Familie stehen, was aber nur dann glaubwürdig bestehen kann, wenn verheiratete Männer und Frauen mit ihren Familien in Leitungsfunktionen und Weiheämtern gleichberechtigt sind.

Frage 3: Was müssen wir in der Kirche tun oder verändern, damit es mehr Berufungen gibt und der Dienst des Priesters attraktiver für junge Menschen wird?

Es ist ganz einfach: Wir orientieren uns am Vorbild der orthodoxen Kirchen, die verheiratete und ehelos lebende Geistliche in gleicher Weise kennen. Das ist ja nicht neu. Jedem, der argumentiert: “Aber Jesus war doch auch nicht verheiratet!”, antworte ich: “Stimmt. Aber du bist nicht Jesus!” Da wäre auch mehr Demut bei der Amtsauffassung gefragt. Außerdem muss der Grundsatz der Gleichberechtigung von Mann und Frau auf allen kirchlichen Ebenen fortentwickelt werden. Entscheidend ist doch wohl, ob jemand für ein Amt in der Kirche wirklich berufen und befähigt ist, und nicht, ob er ein Mann oder eine Frau ist. Ich bin überzeugt, dass junge Menschen viel lieber in einer Kirche mitarbeiten würden, die auf der Höhe der Zeit, der Gleichberechtigung und der rechtlich-demokratischen Entwicklung steht, als in einer Institution, die bis hin zur Selbstzerstörung an alten, teilweise altorientalischen Gesellschaftsmustern festhält.

Forum 4: Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche

Frage 1: Wie sehen Sie die Rolle der Frau in der Kirche?

Ich glaube, die Bedeutung unserer Frauen und Mütter in der Kirche kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Eigentlich sind es fast ausschließlich Frauen, die Erstkommuniongruppen leiten. Die Gottesdienstgemeinde, der Kirchenchor, die Ministranten – überall sind es hauptsächlich Mädchen und Frauen, die das kirchliche Leben aufrecht erhalten. Auf der anderen Seite fehlt es grundsätzlich an einer glaubwürdigen Wertschätzung der Frauen. Glaubwürdig wäre diese Wertschätzung erst dann, wenn man den Frauen nicht nur zutrauen, sondern auch ganz offiziell gestatten würde, von Amts wegen zu predigen, die Sakramente zu spenden, ihr sozial-caritatives Engagement, ihre Weiblichkeit, ihre Mütterlichkeit in die Amtsführung und in die Kirchenleitung einzubringen.

Frage 2: Was müsste sich ändern, damit mehr Frauen Leitungspositionen in der Kirche übernehmen können?

Ich halte überhaupt nichts von Frauenquoten in Führungspositionen. Wenn überhaupt, dann müsste es eine verbindliche Intelligenzquote geben, damit nicht länger die einfältigsten und starrsinnigsten Zeitgenossen in der Hierarchie nach oben gespült werden. Wenn wir in der Kirche eine gesunde Basisdemokratie aufbauen, kollegial und kommunikativ, dann werden Frauen auf ganz natürliche Weise in allen Ebenen der Kirche zu finden sein, wie eben auch Talente und Begabungen meines Wissens gleichmäßig zwischen Männern und Frauen verteilt sind.

Frage 3: Wie müsste das Miteinander von Frauen und Männern in der Kirche gestaltet sein, damit wir in unserer Zeit glaubwürdig das Evangelium verkünden können?

Für mich ist und bleibt das Vorbild der Heiligen Familie mit Maria, Josef und Christus das absolute göttliche Erfolgsmodell für das Miteinander von Frauen und Männern in der Kirche. Dazu müssten alle Kirchenvertreter verinnerlicht haben, dass Mann und Frau gemäß dem Schöpfungsbericht der Genesis nur gemeinsam Gottes Ebenbild sein können, und nie einer allein: “Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.” (Gen 1, 27) Das Vorbild der Heiligen Familie zeigt mir, dass wir alle als Väter und Mütter im Glauben Christus den Weg bereiten können, dass wir ihn als Männer und Frauen buchstäblich zu den Menschen tragen, und uns dabei bewusst sind: Wir alle sind Söhne und Töchter Gottes, Brüder und Schwestern in Christus, und Gott ist unser aller Vater.

Angabe Sonstiges: Ich wünsche allen Synodenteilnehmerinnen und Synodenteilnehmern “bonne chance” und “bon courage”! Bitte denken Sie an das Wort des deutschen Schriftstellers, Friedensnobelpreisträgers und KZ-Häftlings Carl von Ossietzky (1889-1938), der sagte: „Man kann nicht kämpfen, wenn die Hosen voller sind als das Herz.”

Ikone vom Ölberg in Jerusalem

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