In memoriam Franz Xaver Neher

Franz Xaver Neher (1950 - 2019)

Franz Xaver Neher (1950 – 2019)

Die Stadt Oettingen trauert um ihren langjährigen Stadtpfarrer Franz Xaver Neher, den der Herr über Leben und Tod am 29. März 2019 im Alter von 69 Jahren zu sich gerufen hat. Sein Nachfolger in Oettingen, Stadtpfarrer Dr. Ulrich Manz, sagte beim Requiem für Herrn Pfarrer Neher während des Sonntagsgottes-dienstes am 31. März 2019 in der Stadtpfarrkirche St. Sebastian in Oettingen: In den römischen Katakomben, wo die ersten Christen ihre Verstorbenen bestattet haben, finden sich beeindruckende Wandmalereien. Sie haben in den dunklen unterirdischen Gängen die Jahrhunderte überdauert und beweisen, wie stark die frühchristlichen Gemeinden an die Auferstehung geglaubt haben.

Sie feierten dort unten Gottesdienste, sangen Hymnen auf den lebendigen Christus und schmückten ihre Gräber mit Zeichen der Hoffnung. Eines der berühmtesten unterirdischen Wandfresken ist der Pastor bonus, der Gute Hirte in den Priscilla-Katakomben von Rom. Das Bild zeigt Jesus als Jüngling mit Tunika und Wandertasche. Auf seinen Schultern trägt er ein Lamm, das er gerade zur Herde zurückbringt. Der gute Hirte scheint den Betrachter direkt anzusehen, als wolle er sagen: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt; ich will euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11, 28) Was für ein starkes Glaubenszeugnis, ein Grab mit dem Bildnis des guten Hirten zu schmücken! Unser lieber Verstorbener Franz Xaver Neher, der selbst in Rom studiert hat, hat bei zahlreichen Gelegenheiten mit Romwallfahrern die Katakomben besucht und kenntnisreich erklärt. Zu seinen Ehren soll heute an das Bild vom guten Hirten erinnert werden, denn das war er – ein guter Hirte, mit seiner Gemeinde unterwegs, verständnisvoll und kameradschaftlich. Er folgte als Priester dem Ruf des Herrn und setzte alles daran, das Vorbild des guten Hirten Jesus Christus inmitten seiner Gemeinde lebendig werden zu lassen. Der gute Hirte möge ihn jetzt auch, da er vom Leben zum Tod hinübergegangen ist, auf seinen starken Schultern mit nach Hause nehmen, in die Gemeinschaft der Heiligen, ins Paradies, ins Himmelreich.

 

Franz Xaver Neher wurde am 10. Februar 1950 in Salenwang bei Friesenried im Ostallgäu geboren. Nach dem Abitur studierte er zunächst im Dillinger Priesterseminar, wo der damalige Domkapitular und spätere Bischof Karl Braun ihm den Weg zum Studium am Collegium Germanicum in Rom ebnete. Am 10. Oktober 1978 wurde Franz Xaver Neher in Rom zum Priester geweiht. Seine enge Verbindung zur Heiligen Stadt kam ihm später zugute, wenn er für seine Gemeindemitglieder Romreisen organisierte und sich als exzellenter Romkenner und Reiseführer zeigte. Nach seiner Rückkehr in die Diözese Augsburg war Franz Xaver Neher seit 1980 Kaplan in Starnberg und  seit 1981 Präfekt am Bischöflichen Studien­seminar St. Ulrich in Dillingen. Im Jahr 1983 ereilte ihn der Ruf als wissenschaftlicher Assistent an die Universität Augsburg. Dazu muss man wissen, dass die besondere Ausbildung als Germaniker in Rom in der Regel zu leitenden Positionen in Universität und Kirche führt. Berühmte Germaniker waren beispielsweise Kardinal Karl Lehmann, Kardinal Friedrich Wetter, Kardinal Julius Döpfner und Bischof Josef Stimpfle. Stimpfle war es auch, der Franz Xaver Neher darum bat, neben seiner Assistententätigkeit in Augsburg hierher nach Oettingen zu kommen, wo er dann nach und nach die wissenschaftliche Laufbahn gegen die segens­reiche seelsorgerische Tätigkeit als Stadtpfarrer eintauschte. Von 1988 bis 2007 war Franz Xaver Neher Stadtpfarrer von Oettingen, und ich glaube, es war die schönste zusammenhängende Zeit seines Priesterlebens. Er war beliebt bei Alt und Jung, stets hilfsbereit, leutselig und umgänglich, ein weltoffener und gebildeter Mann, mit dem man ebenso gut philosophieren konnte wie auch in geselliger Runde bei Speis und Trank zusammensitzen. Allseits bekannt war seine Fußballleidenschaft für die Eintracht Frankfurt. Der Legende nach soll er bei günstigem Spielausgang gerne das Gottesloblied „Nun singe Lob, du Christenheit“ angestimmt haben, wo es in der dritten Strophe heißt: „Er lasse uns wie Brüder sein, der Eintracht uns erfreun.“ Die Verdienste von Franz Xaver Neher um die Pfarrei St. Sebastian mit Filiale Hirschbrunn sind vielfältig. Unter anderem haben wir ihm die grundlegende Erneuerung der Kirchenfundamente und des Kirchenbodens zu verdanken, die Erweiterung des Kindergartens St. Franziskus und den modernen Ausbau der Jugendräume im Pfarrheim, immer Seite an Seite mit seiner langjährigen Pfarrsekretärin und quirrligen Baumeisterin Marianne Münster. Vielen Gemeindemitgliedern bleiben die Reisen und Wallfahrten nach Rom und ins Heilige Land in bester Erinnerung. Vor zwölf Jahren hieß es dann Abschied nehmen von Oettingen. Von 2007 bis 2015 wirkte Franz Xaver Neher als Pfarrer von Heilig Kreuz in Pfuhl bei Neu-Ulm. Seit 2015 war er als Seelsorger in der Altenheimstiftung Margarethen- und Josefinenstift unweit der Lorenzbasilika in Kempten im Allgäu tätig und lebte auch dort in der Priesterwohnung. Am Freitagmorgen, dem 29. März 2019, wurde er vom Pflegepersonal leblos in seinem Appartement vorgefunden und er verstarb trotz Wiederbelebungsmaßnahmen am frühen Vormittag im Altenheim der Margarethen- und Josefinenstiftung in Kempten.

 

Wir danken Herrn Pfarrer Neher für sein segensreiches priesterliches Wirken und bitten um das Gedenken im Gebet. Mit uns ist die Fürstliche Familie zu Oettingen-Spielberg in Trauer vereint. Es kann kein besseres Schlusswort geben als das, was Franz Xaver Neher 1992 in der Festschrift 450 Jahre St. Sebastian Oettingen selbst so formuliert hat: „Gepriesen sei Gott, der Vater, für seinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus. Er ist das lebendige Wort, das uns leuchtet auf unserem Weg. Er ist das lebendige Brot, das uns nährt auf der Wanderschaft unseres Lebens. Es ist lähmende Illusion, den Lebendigen vorwiegend in dem zu suchen, was hinter uns liegt. Das Motto des Lebendigen ist: Seht, ich mache alles neu!“ Das muss uns eine Mahnung sein, den Weg des Glaubens weiter zu gehen, sich selbst treu, aber auch selbstkritisch, Bewährtes bewahrend, aber auch Ballast abwerfend, dem Zeitgeist widerstehend, das zeitgemäße aber bejahend. Lasst uns zusammen in dieser Generation die Fackel des Glaubens weitertragen, in Wort und Tat. Das ist mein Wunsch.“ Lasst uns nun in einem Augenblick der Stille auf den Klang der großen Glocke hören und unseres Verstorbenen gedenken, jeder auf seine Weise, so, wie er Franz Xaver Neher gekannt und erlebt hat. Er möge ruhen in Frieden. Amen.”

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