Ich bin mit euch alle Tage!

Der Auferstandene grüßt die Salböl tragenden Marien - Ikone aus dem 19. Jh.

Der Auferstandene grüßt die Salböl tragenden Marien – Ikone aus dem 19. Jh.

Matthäus berichtet am Ende seines Evangeliums über den Auftrag des Auferstandenen an seine Jünger: „Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28, 18-20)

Was die „Zeugen seiner Auferstehung“ (Apg 1, 22) über den lebendigen Christus ausgesagt haben, ist uns bis zum heutigen Tag überliefert: Er ist gestorben und auferstanden. (vgl. 1 Thess 4, 14) Dieses kurze und einfache Bekenntnis gehört zum absoluten Kernbestand des urchristlichen Glaubens. Die Person des Auferstandenen verkörpert über den Tod hinaus die heilswirksame Gegenwart Gottes und schlägt damit eine Brücke zu den Anfängen des brennenden Dornbuschs. Bereits dort hat Gott sich selbst dem Mose als der geoffenbart, der immer und überall für sein Volk da ist, als der schlechthin Seiende und Gegenwärtige: „Ich bin der Ich-bin-da.“ (Ex 3, 14) Jesaja hat dem Messias Gottes mit prophetischen Weitblick einen vom Licht des Dornbusches erleuchteten Namen gegeben: „Immanuel“, der „Gott-mit-uns.“ (Jes 7, 14) Deshalb wundert es nicht, dass die letzte Botschaft des Auferstandenen an seine Jünger genau diese Wesensart Gottes ins Bewusstsein hebt und den Sinn der Auferstehung erschließt: „Ich bin mit euch alle Tage!“ Christus ist und bleibt mit uns auf dem Weg. Das zeichnet ihn als guten Hirten aus. „Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir.“ (Ps 23, 4) Christus ist seit seiner Auferstehung die Gestalt gewordene Empathie Gottes: „Der Herr ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Huld.“ (Ps 103, 8) Wenn wir also Auskunft darüber geben sollen, mit welcher Hoffnung wir seit dem Ostermorgen unterwegs sind (vgl. 1 Petr 3, 15), so ist dies ein neues christliches Bewusstsein, das Raum und Zeit in jedem einzelnen Augenblick auf die Gegenwart Gottes hin durchdringt. Es ist ein außergewöhnlicher Bewusstseinszustand, ein Frühling der Sinne, die ganz und gar vom Licht der Auferstehung erleuchtet worden sind. Überall ist uns auf unsichtbare Weise der Auferstandene gegenwärtig. Er verströmt seine Aura und vermag uns dadurch auf ungemein sympathische Weise zu erheben und aufzurichten. Mit einem Tagesgebet der Osterzeit bitten wir: „Allmächtiger Gott, lass die österliche Freude in uns fortdauern, denn du hast deiner Kirche neue Lebenskraft geschenkt und die Würde unserer Gotteskindschaft in neuem Glanz erstrahlen lassen.“

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