Wir sind zu Friedensboten berufen

Der verwundete Engel (Hugo Simberg 1903)

Der verwundete Engel (Hugo Simberg 1903)

Als der finnische Maler Hugo Simberg (1873-1917) den Auftrag erhielt, einen Teil der Fresken im Dom von Tampere zu malen, entschied er sich dafür, eine Version seines Ölgemäldes des „Verwundeten Engels“ von 1903 abzubilden. Zentrale Figur des Gemäldes ist ein junger Engel, der auf einer Trage sitzt, die von zwei Jungen getragen wird. Der Engel trägt eine Binde über der Stirn, sein Kopf ist gesenkt und auf den Flügeln finden sich Spuren von Blut angedeutet, ein Flügel ist angeknickt. Die beiden jungen Träger sind in düstere Farben gekleidet, so den Eindruck von Trauerkleidung assoziierend. Der hintere der beiden Träger blickt den Betrachter mit ernstem Gesichtsausdruck an. In der rechten Hand hält der Engel einen Strauß von kleinen Blumen, ein kleines Zeichen von Hoffnung. Hugo Simberg lehnte es stets ab, irgendwelche Erklärungen zu den Bedeutungen seiner Gemälde zu geben. Er hielt es für wesentlicher, dass der Betrachter frei sei, seine eigenen Schlüsse aus der Symbolik eines Bildes zu ziehen. Bekannt ist allerdings, dass Hugo Simberg an einer Gehirnhautentzündung litt, als er die Idee zu dem Gemälde hatte. Er selbst bezeichnete es als einen Quell der Stärke während der Zeit, in der er sich von der Erkrankung erholte. (Quelle: Wikipedia) Tatsächlich hat es der Verkündigungsengel aus der Weihnachtsgeschichte auch heute noch schwer, mit seiner Friedensbotschaft Gehör zu finden: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.“ (Lk 2,14) Umso mehr fühlen wir uns dazu herausgefordert, dem verwundeten Engel zu Hilfe zu eilen und, wenn es sein muss, ihn auf einer Bahre zu den Menschen von heute zu tragen. Der Jahreswechsel lädt uns dazu ein, unsere Berufung als Friedensboten neu zu entdecken. Mit der Poesie des schwäbischen Lyrikers Eduard Mörike (1804-1875) heißen wir das Neue Jahr willkommen: „Wie heimlicher Weise ein Engelein leise mit rosigen Füßen die Erde betritt, so nahte der Morgen. Jauchzt ihm, ihr Frommen, ein heilig Willkommen, ein heilig Willkommen! Herz, jauchze du mit! In ihm sei’s begonnen, der Monde und Sonnen an blauen Gezelten des Himmels bewegt. Du, Vater, du rate! Lenk‘ du und wende! Herr, dir in die Hände sei Anfang und Ende, sei alles gelegt!“

Ulrich Manz

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