Die heilige Ida am Monument in Hirschbrunn

Heilige Ida am Monument Hirschbrunn

Heilige Ida am Monument Hirschbrunn

In einem Bildband über die Kunstdenkmäler des Landkreises Donau-Ries steht zu lesen: „In geringer Entfernung vom Fürstlichen Jagdschloss Hirschbrunn liegt bei einer Eichenallee, in einer breiten Lichtung des prächtigen Waldes, auf einem künstlichen Bruchsteinhügel eine quadratische Steinplatte mit vier Eckkugeln, die einen riesigen Würfel tragen, über dessen Südwestecke ein steinerner Kranz gelegt ist. Die Seitenflächen zeigen im Süden das oettingische Wappen, im Westen drei Zweige von Buche, Eiche und Fichte, im Norden die Jahreszahl 1855 und im Osten die Inschrift: Dem sorgsamen Pfleger und Erhalter des Forstes, Johann Alois III., Fürsten zu Oettingen-Spielberg, von seinem dankbaren Sohne Otto Karl. In der Nähe steht, schon innerhalb der Bäume, ein schlanke Säule mit einer zierlichen Steinfigur.“ Seit Generationen ist überliefert, dass es sich bei dieser Figur um die heilige Ida handelt. Warum ist das so? Welche Anhaltspunkte sprechen dafür? Könnte es nicht auch eine Mariendarstellung sein? Die Spurensuche ist durchaus spannend. Bereits ein flüchtiger Blick in die Taufbücher der Pfarrei Mariä Himmelfahrt Hirschbrunn beweist, dass Ida vor 100 Jahren ein durchaus gebräuch­licher Vorname war. 1910 wurde Ida Wager, 1921 Ida Rogger und 1934 Ida Grimm in der Schlosskapelle Hirschbrunn getauft. Viel spannender jedoch ist die Frage: Gibt es auch eine historisch-genealogische Verbindung des Vornamens Ida zur Fürstlichen Familie Oettingen-Spielberg, in deren Besitz sich das Denkmal-Ensemble befindet? Das ist in der Tat der Fall, und zwar über die Grafen Fugger von Kirchberg und zu Weißenhorn. Mindestens seit dem 18. Jahrhundert lässt sich der weibliche Vorname Ida im Hause Fugger zurückverfolgen. Das beweisen die Vorfahren Ida Gräfin Fugger von Kirchberg und zu Weißenhorn (1754 – 1817) sowie Ida Gräfin Fugger von Kirchberg und zu Weißenhorn (1832 – 1919).  Entscheidend ist nun das 19. Jahrhundert. Ida Walburga Sophia Berta Gräfin Fugger von Kirchberg und zu Weißenhorn wurde 1851 geboren und starb 1939 im Alter von 88 Jahren. Sie war die Tochter von Raymund Graf Fugger von Kirchberg und zu Weißenhorn und Berthe Johanna Notgera zu Oettingen-Spielberg, der jüngeren Schwester von Otto Karl Fürst zu Oettingen-Spielberg. Ida war also die Nichte von Fürst Otto und zugleich die Enkelin von Johann Alois III. Fürst zu Oettingen-Spielberg, zu dessen Ehren dieses Denkmal errichtet wurde.

Wenn also die heilige Ida einen besonderen Stellenwert im Fürstlichen Hause innehatte, so muss weiter gefragt werden: Wer war eigentlich die heilige Ida? Ida war die erste Heilige in Westfalen. Ihr Wirken liegt mehr als 1000 Jahre zurück. Als Verwandte Karls des Großen heiratete Ida den Sachsen­herzog Ekbert. Sie verließ sie ihre Heimat und zog im Jahre 786 mit ihm nach Westfalen auf seine Güter, die in der Nähe der heutigen Stadt Osnabrück lagen. Auf dem Wege dorthin überquerten sie die Lippe auf einer Furt bei Hirschfelder und schlugen am rechten Flussufer ihr Zelt auf. In der folgenden Nacht erhielt Ida im Traum den Auftrag eines Engels, dort eine Kirche zu bauen. Diese Traumvision bestimmte von nun an ihr Handeln und Denken. Sie mühte sich um den Bau eines Gotteshauses und wurde so die Gründerin der ersten katholischen Gemeinde im Münsterland im heutigen Herzfeld im Lippetal. Die Reise nach Westfalen fiel in die Zeit des 32-jährigen Krieges zwischen den Sachsen und den Franken. Ida nahm in dieser Zeit die Sachsen in ihren Schutz. Der Hirsch, mit dem Ida oft abgebildet wird, ist ein Bild für die von den Franken bedrängten Sachsen. Noch heute befindet sich der Hirsch im Wappen von Herzfeld. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 811 zog Ida in einen Portikus an der Kirche und widmete sich ganz dem Gebet und der Sorge für ihre Gemeinde. Einen Sarg, als Mahnung an den Tod in der Mitte des Portikus aufgestellt, soll Ida zwei Mal am Tag mit Gaben für die Menschen gefüllt haben. Im Jahr 825 starb die als Mutter der Armen verehrte Ida. Im Jahr 980 wurde sie heiliggesprochen und gehört damit zu den ältesten und ehrwürdigsten Heiligen unserer Heimat.

Zuletzt möge ein Blick auf die Steinskulptur am Monument in Hirschbrunn gestattet sein. Hätte sie zu ihren Füßen einen Hirsch als Attribut oder ein Modell der von ihr gegründeten Herzfelder Wallfahrtsbasilika im Arm, dann wäre alles viel leichter. Aber auch so lässt sich an der schlichten neugotischen Figur einiges ablesen. Vor uns steht Ida als Herzogin von  Sachsen, eindeutig erkennbar an ihrer besonderen herzoglichen Krone, dem Stirnreif mit Zacken aus Akanthusblättern und einem stilisierten Schleier am Rücken. Sie trägt einen Heiligenschein und eine mittelalterliche Frauentracht mit Untergewand. Die helfende und segnende Geste ihrer Arme erinnert eindeutig an die Haltung der heiligen Elisabeth von Thüringen, die ebenso wie Ida als „Mutter der Armen“ verehrt wird. Möge die heilige Ida, die so vielen Generationen als Für­sprecherin zugetan war, auch unseren Lebensweg mit ihrer Fürsprache begleiten.

Fürstliches Monument Hirschbrunn

Fürstliches Monument Hirschbrunn

 

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