Die Gottesmutter vom Zeichen

Die Gottesmutter vom Zeichen

Die Gottesmutter vom Zeichen

„Znamenie“, Gottesmutter des Zeichens – so nennt die orthodoxe Kirche diese russische Ikone. Der Na­me geht zurück auf ein wunderbares Zeichen, das im Jahre 1170 durch die Novgoroder Ikone geschah. In jenem Jahr beschlossen die Fürsten der Teilfürsten­tümer, nachdem sie sich vereint hatten, das Große Novgorod zu unterwerfen. Ein großes Heer belagerte die Stadt. Die Novgoroder konnten nur noch auf die Hilfe Gottes hoffen. Sie beteten Tag und Nacht. Auch der Erzbischof von Novgorod betete seit der Belage­rung ohne Unterlass in der Sophienkathedrale. In der dritten Nacht spürte er plötzlich ein heiliges Schau­dern, und von der Ikone kam eine Stimme, die ihm gebot, die Ikone der Gottesmutter zu nehmen und auf die Stadtmauer zu tragen. Als man die Ikone auf die Stadtmauer gebracht und sie mit dem Gesicht zu den Belagerern aufgestellt hatte, blieben ihre Herzen hart und sie hatten keine Einsicht, sondern schossen so­gleich eine Menge Pfeile auf die Stelle, wo die Ikone stand. Einer der Pfeile traf das heilige Antlitz der Gottesmutter. Und da geschah das Wunder: Die Ikone drehte sich selbst von den Belagerern weg und wandte sich mit dem Gesicht zur Stadt, und aus den Augen der Gottesmutter flossen Tränen. Zur selben Zeit ergriff die Soldaten, welche die Stadt belagerten, großes Entsetzen. Ihr Augenlicht trübte sich und sie begannen, gegeneinander zu kämpfen. Durch dieses Zeichen ermutigt, zerschlugen die Novgoroder das große Heer der Angreifer.

Die so genannte Orantenhaltung der Gottesmutter mit den in Schulterhöhe ausgebreiteten Armen gilt als eine der ältesten Gebetshaltungen überhaupt. Bild­liche Darstellungen finden sich bereits auf Fels­ritzungen der Bronzezeit, auf Runensteinen in Schwe­den und in zahlreichen römischen Katakomben. Die Gebetshaltung der erhobenen Arme erinnert an den Kampf der Israeliten gegen die Amalekiter: „Solange Mose seinen Arm hochhielt, waren die Israeliten im Vorteil. Doch immer, wenn er seinen Arm sinken ließ, gewannen die Amalekiter die Oberhand. Als nun Moses Arme schwer wurden, suchten Aaron und Hur ihm einen Stein, auf den er sich setzen konnte. Dann stützten sie seine Arme – der eine den linken und der andere den rechten. Auf diese Weise blieben seine Arme oben, bis die Sonne unterging.“ (Ex 17, 11-12) Das Schriftwort, auf das die „Gottesmutter des Zei­chens“ zurückgeht, findet sich beim Propheten Jesaja: „Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird empfangen, sie ge­biert einen Sohn und wird ihm den Namen Immanuel geben.“ (Jes 7, 14) „Das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.“ (Mt 1, 23) Wie eine „Christophora,“ eine Christusträgerin, zeigt Maria uns Christus als Erlöser, der die ganze Welt segnet und an sich zieht. Wir selbst sind dazu berufen, Christusträger zu werden, damit wir wie der Apostel Paulus sagen können: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ (Gal 2, 20)

Ulrich Manz

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